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Zum Abschied eine Rüge

3. Dezember 2009 | Wenige Tage nachdem der WAZ-Konzern Chefredakteur Sergej Lochthofen, geschasst hatte, gab’s jetzt auch noch eine Rüge vom Presserat für die „Thüringer Allgemeine“.

Im Beschwerdeausschuss des Presserats ist die „Thüringer Allgemeine“ bislang nicht sonderlich negativ aufgefallen. In der „Chronik der Rügen“, die immerhin bis ins Jahr 1997 zurückreicht, war die Regionalzeitung bislang lediglich einmal vertreten. Im März 2006 wurde die Berichterstattung über einen Missbrauchsprozess unter anderem wegen „ehrverletzender Behauptungen“ öffentlich gerügt. Ausgerechnet heute – nur wenige Tage nachdem sich der WAZ-Konzern nach 20 Jahren vom bisherigen Chefredakteur Sergej Lochthofen getrennt hatte, wurde die „Thüringer Allgemeine“ ein zweites Mal öffentlich an den „ethischen Pranger“ gestellt.

Unter Lochthofens redaktioneller Verantwortung hatte die Zeitung nach Darstellung des Presserats „die Amtsbilanz eines scheidenden Bundestagsabgeordneten und Bürgermeisters kritisch beleuchtet.“ Dagegen wäre an sich auch nichts einzuwenden – nur, der Autor des Beitrages war bis kurz vor Erscheinen des Artikels Pressesprecher – ausgerechnet dieses Politikers. Der Beschwerdeausschuss des Presserats sieht darin einen Verstoß gegen Ziffer 6 des Pressekodex, der Transparenz in der journalistischen Berichterstattung fordert. Den Lesern der „Thüringer Allgemeinen“ wurde allerdings verschwiegen, dass der vermeintlich unabhängige Journalist noch kurz zuvor in Diensten des Protagonisten stand. Der Presserat geht in seiner Beurteilung der Angelegenheit sogar noch weiter: „Die Zeitung gefährdete so zudem Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.“ Glück im Unglück für Lochthofen: Wenn das Regionalblatt demnächst die peinliche Rüge des Presserats abdrucken muss, ist er höchstens noch Leser – aber längst nicht mehr redaktioneller Verantwortlicher der „Thüringer Allgemeinen“.

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