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ZDF und Haribo: Was hat das mit Benetton zu tun?

18. Oktober 2005 | Beim „Zweiten“ liegen offenbar die Nerven blank, zumindest in der Presseabteilung. Anders kann die eigenartige Stellungnahme von Anstaltssprecher Alexander Stock zu unserem Bericht „ZDF-Ausflug nach Haribo Island“ vom 11. Oktober wohl nicht bewertet werden. Als Rechtfertigung für die Einblendung eines „Haribo“-Werbespots in einen angeblich redaktionellen Beitrag, führte der Pressemann allen Ernstes die „Benetton“-Werbung an. Doch da ging es nicht um Gummibärchen, sondern um höchst umstrittene Anzeigen wie das „H.I.V. POSITIVE“-Motiv, das über Jahre sogar den Bundesgerichtshof beschäftigte.

Lesen Sie nachfolgend die vollständige Stellungnahme von ZDF-Sprecher Alexander Stock und unsere Entgegnung. Ergänzend haben wir den öffentlich-rechtlichen Fernsehmachern noch angeboten, den Beitrag „ZDF-Ausflug nach Haribo Island“ zum Download zur Verfügung zu stellen. So könnten sich Gebührenzahler und Leser des Berichts selbst einen Eindruck davon verschaffen, ob das ZDF mit seinem Superstar Schleichwerbung für Thomas Gottschalks zweiten Arbeitgeber „Haribo“ betrieb. Eine Antwort auf diese Anfrage steht zurzeit noch aus.

Stellungnahme von Alexander Stock – ZDF

Die Redaktion „hallo Deutschland“ hat das Filmmaterial (Gewinner besucht zum ersten Mal Insel in Kanada) von einer freien Produktionsfirma zu einem marktüblichen Preis angekauft. Die Firma hatte das Material allgemein – also nicht nur dem ZDF – angeboten. Der Beitrag selbst wurde von der Redaktion „hallo Deutschland“ in Mainz erstellt. Die Redaktion „hallo deutschland“ hat sich aus rein journalistischen Gründen für die Berichterstattung entschieden. Die Originalität des Themas – die Verlosung einer Insel – und das Treffen von Thomas Gottschalk mit dem Gewinner waren für ein Boulevardmagazin wie „hallo deutschland“ ein berichtenswertes Thema. Außer „hallo Deutschland“ haben auch viele andere Medien über die ungewöhnliche Aktion berichtet. In dem Beitrag wurde ein kurzer Ausschnitt aus dem Gewinnspiel-Trailer gezeigt. Dieser war eindeutig als solcher erkennbar und wurde außerdem unmissverständlich angetextet („Thomas Gottschalk hat dafür geworben“). Das hat mit Schleichwerbung nichts zu tun. Auch über andere Werbekampagnen – denken Sie an Benetton – wurde und wird in den Medien berichtet. Das Zitieren von Ausschnitten aus den entsprechenden Werbefilmen ist, soweit journalistisch motiviert, legitim.

Konter von Horst Müller

Es lässt sich vielleicht noch darüber streiten, ob Gebührenzahler die Berichterstattung über Werbeaktionen wie im Falle von „Haribo-Island“ am 7. Oktober finanzieren sollten, zumal die programmlichen Zugeständnisse gegenüber „Haribo“ unter anderem durch das häufige Einblenden der Gummibärchen in „Wetten, dass“ nicht zum ersten Mal angeprangert werden. Für die Einblendung des Ausschnitts aus dem „Haribo“-Werbespot gab es allerdings keine journalistischen Gründe, wie Sie selbst mit dem angeführten Beispiel „Benetton“ deutlich machen. Bei der Berichterstattung über „Benetton“ ging es nicht um Gewinnspiele, sondern um die provokativen Inhalte von Spots und Anzeigen des Bekleidungsherstellers. Zur Erinnerung – zwischen 2001 und 2003 hatte sich sogar der Bundesgerichtshof mehrfach mit dem Anzeigenmotiv „H.I.V. POSITIVE“ beschäftigt. Gottschalk und die Haribo-Bärchen sind zum Glück kein Fall für Deutschlands oberste Richter, sondern gehören ganz schnell auf die Tagesordnung des ZDF- Fernsehrats. Dem – und den Gebührenzahlern – hatte schließlich Intendant Markus Schächter – ebenfalls am 7. Oktober – zugesichert, dass das ZDF schleichwerbungsfrei sei. Vielleicht haben’s die Macher von „hallo deutschland“ nur noch nicht mitbekommen.