Medien

Zähe „Bild-Ente“

30. November 2009 | Wie sich eine Falschmeldung des Zentralorgans vieler deutscher Journalisten trotz Dementis und Korrekturen weiter im Internet hält. 

Peinlich genug war schon, dass Nachrichtenagenturen („dpa“, „AFP“),? Radiosender sowie große deutsche Newsportale (darunter auch „Spiegel Online“) am 17. November eine Falschmeldung von „Bild“ einfach übernommen hatten, ohne die Richtigkeit der Angaben selbst zu überprüfen. Noch peinlicher ist indes, dass sich diese „Ente“ hartnäckig auf einer Reihe von News- und Webportalen weiterhin hält.

Wie „BILDblog“ bereits am 17. November wunderbar dokumentierte, hatte das Zentralorgan der Deutschen (Medien) mit der Schlagzeile „Wegen der Krise – 1,2 Millionen Jobs in der Industrie weg!“ seine Gefolgsleute in deutschen Nachrichtenredaktionen aufhorchen lassen. Die Meldung avancierte an diesem Dienstagmorgen gar zum Aufmacher in Hörfunk- und Fernsehnachrichten sowie auf einer Reihe von Newsportalen im Internet. Pech – noch am selben Vormittag mussten sich „Bild“ und Co. allerdings vom Statistischen Bundesamt öffentlich abwatschen lassen.

Per Pressemitteilung erteilten die Statistiker den Redakteuren Nachhilfeunterricht in Grundlagen der Mathematik: „Die ‚Bild‘-Zeitung hat fälschlicherweise die absoluten Vorjahresveränderungen der Beschäftigtenzahl aller Monate von Januar bis September aufaddiert.“ Die folgenden peinlichen Korrekturen hätten sich „Spiegel Online“ und viele andere durchaus ersparen können. Schließlich hatte das Statistische Bundesamt die entsprechende Pressemitteilung sowie eine ausführliche Dokumentation zum Thema bereits am 16. November im Internet zur Verfügung gestellt. Es wäre also für die Redakteure denkbar einfach gewesen, die Angaben von „Bild“, die sich auch noch explizit auf das Statische Bundesamt bezogen, ohne großen Rechercheaufwand selbst zu überprüfen.

Erstaunlich ist allerdings, dass sich die „Ente“ trotz aller Dementis und Korrekturen auf Nachrichtenseiten und Webportalen weiterhin hartnäckig hält. Fast zwei Wochen nachdem die „Bild-Ente“ aufflog, ist in den Onlineportalen des „Münchner Merkurs“, der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ und in den „Yahoo!-Nachrichten“ immer noch nachzulesen, dass „1,2 Millionen Jobs durch Wirtschaftskrise vernichtet“ worden seien. Eigentlich spricht nichts mehr dagegen, dass selbst unverbesserliche Online-Redaktionen den peinlichen Fehler jetzt schnellstens korrigieren – schließlich hat es das „Leitmedium“ selbst vorgemacht: „Bei der gestrigen Meldung „1,2 Mio. Jobs in der Industrie weg“ ist uns ein Rechenfehler unterlaufen…“, ist seit dem 18. November bei „Bild.de“ nachzulesen.

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