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The Who beim Super Bowl: „Won’t Get Fooled Again“

7. Februar 2010 | „The Who“ sind Stars in der Halbzeitshow beim diesjährigen „Super Bowl“ in Miami. Der Auftritt von Pete Townsend und Co. ist in den USA allerdings umstritten.

„The Who“ hatten in ihrer inzwischen 46 Jahre andauernden Karriere schon viele große und legendäre Auftritte: 1969 spielten sie vor geschätzten 400.000 Besuchern beim Woodstock-Festival, ein Jahr später beim „Isle of Wight Festival“ und 1985 verpflichtete sie Bob Geldorf für das „Live Aid Concert“ im Londoner Wembley-Stadion, das vom Fernsehen nahezu rund um die Welt übertragen wurde. Heute Nacht (deutscher Zeit) kommt ein weiterer Höhepunkt für Pete Townshend und Roger Daltrey, den beiden – im wahrsten Sinne des Wortes – Überlebenden des legendären Quartetts, dazu: „The Who“ gestalten die Halbzeitshow beim diesjährigen Finale der National Football League (NFL), genannt „Super Bowl“, zwischen den „Indianapolis Colts“ und den „New Orleans Saints“.

Neben den 75.000 Fans im „Dolphin Stadium“ in Miami, werden allein in den USA rund 100 Millionen Zuschauer das wichtigste Sportereignis Nordamerikas am Fernsehen verfolgen, das vom TV-Network „CBS“ live übertragen wird. In Deutschland ist das Spektakel am Sonntagabend ab 23.35 Uhr im „Ersten“ zu sehen.

Wer in der 12 Minuten langen „Halftime Show“ auftreten darf, gehört in den USA zur aller ersten Garde der Musikszene: 1993 sang Michael Jackson gemeinsam mit 3.500 Kindern „Heal The World“. Wenig später wurde der „King of Pop“ allerdings des Missbrauchs von Kindern öffentlich beschuldigt. Neun Jahre später, im Januar 2002, geriet der Auftritt von „U2“ im Louisiana Superdome in New Orleans zu einer gigantischen Gedenkveranstaltung an die Opfer des 11. September 2001. Während die irische Gruppe ihren Titel „Where The Streets Have No Name“ spielte, wurde ein riesiges Banner mit den Namen der 2.973 Opfer der Terroranschläge enthüllt. Den vermutlich berühmtesten – und umstrittensten – Auftritt lieferte 2004 Janet Jackson, weil vor den Augen von vielen Millionen Fernsehzuschauern eine Brustwarze aus der engen Bühnen-Coursage rutschte. „CBS“ zahlte sp?ter insgesamt 3,5 Millionen Strafe und Schadensersatz und Bühnenpartner Justin Timberlake musste sich kurz darauf während des Grammy Awards für den peinlichen Vorfall öffentlich entschuldigen.

Ärger schon vor der „Halftime Show“

In diesem Jahr gab’s in den USA schon vor der „Halftime Show“ einigen Ärger um den Auftritt von „The Who“. Das sei schon eine „merkwürdige Wahl“, schrieb beispielsweise „The New York Times“ und bemängelte, dass die Gruppe mehr als vier Jahre kein Album mit neuen Songs herausgebracht habe. Ihre erste Abschiedtour hätten „The Who“ bereits 1982 gemacht, zu einem Zeitpunkt, als viele heutige Superbowl- Zuschauer noch nicht einmal auf der Welt gewesen seien, lästert Ben Belson in seinem Beitrag. Viele jüngere Amerikaner würden die „Who“ höchstens aus den Titelsongs der „CSI“-Krimis im Fernsehen kennen. Tatsächlich werden in den Reihen „CSI: Crime Scene Investigation“, „CSI: Miami, und „CSI: New York“ gleich drei Titel der Gruppe eingesetzt: „Who Are You“, „Won’t Get Fooled Again“ and „Baba O’Riley“.

Ein sportliches Problem kreierten Bandleader Pete Townshend und Sänger Roger Daltrey als sie während einer Pressekonferenz vor einigen Tagen erklärten, dass sie von American Football kaum Ahnung hätten. Daltrey sagte sogar, dass er noch nie ein Spiel richtig gesehen habe. Solche Äußerungen kommen bei footballbegeisterten US-Bürgern überhaupt nicht gut an. Die beiden Köpfe der „Who“ müssen sich nun schon seit Tagen bissige Kommentare in Zeitungen sowie allerlei Lästereien in Fernseh- und Radiotalkshows gefallen lassen.

Ein noch größeres Problem für die Gruppe ist allerdings die zum Teil massive Kritik von Kinderschutzvereinigungen wie „Protect Our Children“ gegen den Auftritt von Pete Townshend während des Super Bowls. Hintergrund ist Townshends vorläufige Festnahme durch die britische Polizei im Rahmen einer Großrazzia gegen Kinderpornoringe im Jahr 2003. Seinerzeit hatte Townshend seine Kreditkartennummer bei einem Internetanbieter von kinderpornografischen Inhalten hinterlassen. Bereits damals argumentierte der Bandleader, dass er sich gegen den pornografischen Missbrauch von Kindern einsetzen würde. Das wiederholte er auch bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Fort Lauderdale über die „Huffington Post“ ausführlich berichtet. Townshend selbst sieht sich als „Anwalt von Kindern“, weil er in seiner Jugend „selbst Opfer von Missbräuchen“ gewesen sei.

Mag sein, dass „The Who“ deswegen am Ende ihres Halbzeit-Konzerts im Dolphin-Stadium als letzten Titel „Won’t Get Fooled Again“ spielen wollen, orakeln bereits amerikanische Medien. Zu deutsch bedeutet das zurückhaltend ausgedrückt: „Wir wollen nicht wieder hereingelegt werden.“