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„Witzig. Lacht nur wieder keiner“

Wenn Radioleute im Fernsehen auftreten, kann das schon mal peinlich sein – so wie beim „Bundesvision Song Contest“ am Freitagabend. Der „Morgenhans“ von „bigFM“ versuchte sich als „Busengrabscher“.

14. Februar 2009. Hans Kristian Blomberg ist der „Morgenhans“ beim baden-württembergischen Privatradio „bigFM“. Dort sendet er gemeinsam mit Susanka, „der schönen Tschechin“, werktags zwischen 05.30 und 09.45 Uhr und erreicht laut Media-Analyse gut 100.000 Zuhörer. Am Freitagabend traten Hans und Susanka vor 1,9 Millionen Zuschauern bei „ProSieben“ im Fernsehen auf und demonstrierten nachhaltig, wie peinlich Radioleute sein können.

Busengrabscher Morgenhans von bigFM – Screenshot Bundesvision Song Contest – ProSieben am 13.02.09

Einmal im Jahr haben Radiomacher ihren großen Auftritt im Fernsehen. Wenn Stefan Raab Sieger und Platzierte seines „Bundesvision Song Contest“ ermitteln lässt, dürfen Moderatoren von Regional-, Lokal- und Internetradios das Ergebnis für „ihr“ Bundesland live übermitteln. „Morgenhans“ Blomberg nutze am Freitagabend die Gelegenheit für eine eigenwillige Promotion-Aktion in eigener Sache: „Die beiden schönsten Punkte, und zwar die beiden Punkte meiner schönen Tschechin Susanka, die bleiben heute Abend schön bei mir.“ Dabei griff Hans seiner Kollegin an den Busen, bekam eine schallende Ohrfeige und das vermutlich vorher eingeübte verbale Feedback zu hören: „Hast du noch alle? (oder so ähnlich), Vollidiot.“ Ungewollt zutreffend bemerkte Susanka noch „Witzig. Lacht nur wieder keiner“.

Skandal bei Raab? Nein, nur ein weiterer peinlicher Auftritt des Radiomannes Blomberg im Fernsehen. Schon beim „Bundesvision“ 2007 hatte er mit einer dümmlichen Aktion um Aufmerksamkeit gebuhlt. Seinerzeit hielt er einen Zettel mit der Aufschrift „Raab ist doof“ in die Kamera. Diesmal gingen Stefan Raab und Co-Moderatorin Johanna Klum nicht auf den Blödsinn ein, sondern versuchten sichtlich verlegen die Peinlichkeit zu überspielen.

Doktorspiele mit der „schönen Tschechin“ bigFM Morgenhans & Susanka machen Doktorspiele – Screenshot aus Video bei YouTube

Um die Befindlichkeiten von Blombergs Kollegin Susanka müssen sich Fernsehzuschauer und Radiohörer wohl keine Sorgen machen. Dümmliche sexuelle Anspielungen in Richtung der „schönen Tschechin“ gehören offensichtlich zum Standardrepertoire des „Morgenhans“, wie zum Beispiel im Video „Dr. Hans bei Susanka“ auf der Website des Senders nachzusehen ist. Offenbar wähnen die „bigFM“-Macher ihre Zuhörer auf dem selben schwachsinnigen Niveau. Auf ihrer Homepage haben sie am Samstagmorgen allen ernstes ein Votum zur Frage gestartet: „Sollte Susanka weitere Schritte gegen Hans einleiten?“ Zur Ehrenrettung von jungen Schwaben und Badenern sollte erwähnt werden, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags annähernd 50% die blöde Frage mit „Ach Quatsch!“ beantwortet hatten.

Unfreiwillige Comedy von Antenne Mecklenburg-Vorpommern – Screenshot von Bundesvision Song Contest – ProSieben am 13.02.09

Überhaupt haben sich die Radioleute am Freitag bei ihren Fernsehauftritten in Raabs „Bundesvision Song Contest“ nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Während der TV-erfahrene Johannes Scherer, Morgenmoderator bei „Hit Radio FFH“, die Wertung der hessischen Zuschauer noch routiniert übermittelte – und dabei auch nicht vergaß, das Senderlogo unübersehbar ins Bild zu rücken, geriet die mit technischen Pannen begleitete Einblendung seiner Kollegen von „Antenne Mecklenburg-Vorpommern“ zur unfreiwilligen Comedy. Vor den johlenden Teilnehmern der „Voting-Party“ in Parchim erinnerten Morgenmann Timo Close und „Wetter Werner“ irgendwie an „Dick und Doof“.

Radio Energy Sachsen im Einsatz für Vita Cola – Screenshot vom Bundesvision Song Contest – ProSieben am 14.02.09

Bei „Radio Cottbus“ funktionierte das Fax nicht. Alex „Pop“ Schirmer versuchte die handschriftlichen Ergebnisaufzeichnungen vor laufender Kamera zu entziffern „das kann ja keiner lesen hier. Fünf Punkte gehen wohin..?“ Sie gingen schließlich nach Thüringen. Perfekter und routinierter lief das bei „Bayern 3“. Die Morgenmoderatoren Claudia Conrath und Marcus Fahn erschienen im „Mutter-Sohn-Look“ auf dem Bildschirm und freuten sich über 12 Punkte „aus Bayern für Bayern“ für Claudia Koreck. Immerhin, der im Dialekt der Ureinwohner des Lederhosenlandes gesungene Titel „I wui, dass du woast“ schaffte es sogar bundesweit auf den 10. Platz unter 16 Teilnehmern. „Polarkreis 18“ aus Dresden erreichte sogar den zweiten Rang und der begleitende Sender „Energy Sachsen“ schaffte es, dass der Sponsor „Vita Cola“ bei der Live-Schaltung wirkungsvoll ins Bild gerückt wurde.

Nach dem Fehlgriff des „Morgenhans“ von „bigFM“ kalauerte „Radio Hamburg“ Morgen-Veteran John Ment auf ähnlich niedrigem Niveau gleich weiter: „Eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt in Hamburg auf dem Kiez sein, meine Treuepunkte einlösen.“ Stattdessen hatte ihn wohl die Geschäftsführung zu diesem Pflichttermin im Fernsehen verdonnert.

Wie gut für die Hörfunkbranche an diesem Abend, dass zumindest „Radio FFN“ den „Bundesvision Song Contest“ einigermaßen seriös nahm. Zur Bekanntgabe des „Votings“ aus Niedersachsen erschien sogar Scorpions-Sänger Klaus Meine auf dem Bildschirm. Das war nicht unbedingt „witzig“, dafür sicherlich wirkungsvoll für den Sender.

Nachtrag am 14.02.09, 18.50 Uhr: Inzwischen ist „bigFM“ die Aktion wohl auch peinlich geworden. Die Umfrage „Sollte Susanka weitere Schritte gegen Hans einleiten?“ ist von der Website des Senders ohne Erklärung entfernt worden. Jetzt dürfen „bigFM“-Hörer abstimmen: „Sind vier ‚Valentinstage‘ übertrieben?“ – ohne Morgenhans ganz bestimmt nicht…

Nachtrag am 15.02.09, 01.00 Uhr: Bei YouTube wurden inzwischen die meisten Videos mit „Busengrabscher Morgenhans“ entfernt. Es erscheint folgender Hinweis: „Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Brainpool TV GmbH und verbundene iSd § 15 AktG nicht mehr verfügbar.

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