Medien

Wenigstens ein „Königstreuer“

17. Februar 2011 | Immer dann, wenn es CSU-Köpfen an den Kragen geht, legt sich Sigmund Gottlieb mächtig ins Zeug. Am Mittwochabend meldete sich der Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens in Sachen Guttenbergs Doktorarbeit per Kommentar in den „Tagesthemen“ zu Wort.

Vorweg der Hinweis: Ich schätze Kommentare, die sich mutig gegen den Meinungsmainstream stellen, damit möglicherweise weitergehende Diskussionen in Gang setzen und andere Aspekte aufzeigen. Das passiert in unseren Medien leider viel zu selten. Allerdings dürfen Contra-Kommentare nicht Fakten ignorieren und zu PR-Botschaften verkommen, so wie es BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb am Mittwochabend in den „Tagesthemen“ vorführte.

Während der Medienmainstream Guttenberg wegen dessen dümmlicher Schummeleien bei seiner Doktorarbeit am Mittwoch vorwiegend an den Pranger stellte, legte sich Gottlieb am späten Abend in den „Tagesthemen“ für „KT“ mächtig ins Zeug. Wegen seiner CSU-Nähe wird der BR-Mann in bayerischen Journalistenkreisen ohnehin als „einer der letzten Königstreuen“ bezeichnet. So wundert es auch kaum, dass sich der von Moderatorin Caren Miosga angekündigte „Kommentar“ schnell als PR-Botschaft der CSU entpuppte:

Abschrift: Kommentar von Sigmund Gottlieb, Tagesthemen, 16. Februar 2011:
Für KT kommt es wirklich knüppeldick in diesen Tagen: Gorch Fock, Afghanistan, Bundeswehrreform und jetzt soll er auch noch bei seiner Doktorarbeit abgekupfert haben. Was an dem Vorwurf dran ist oder nicht, wird man sehen. Guttenbergs Doktorvater jedenfalls ist ein hochangesehener Staatsrechtler und für ihn ist die Diskussion absurd. Jetzt wird geprüft, ob sich Dr. Guttenberg mit fremden wissenschaftlichen Federn geschmückt hat. Warten wir doch einfach auf das Ergebnis – auch wenn es manchem schwer fällt. Zum Beispiel der Opposition, die verzweifelt hofft, dass ihr mit einer Doktorarbeit gelingt, was sie in der politischen Auseinandersetzung nicht geschafft hat: Den Höhenflug des Superstars zu stoppen. Aber wer weiß – vielleicht lässt sich aus solch einer Gelegenheit doch ein wenig politisches Kapital schlagen. Nicht offen, aber klammheimlich macht sich Freude breit, auch bei manchem Unionsfreund in der Abteilung Neid und Missgunst bei den Konkurrenten und Konkurrentinnen, die dem Baron Überflieger seinen Kampf an vielen Fronten von Herzen gönnen. Guttenberg glänzt mit den Markenzeichen Glaubwürdigkeit und Erklärungskompetenz. Sie sind Grund für seinen Aufstieg, daran misst ihn die Bevölkerung, dies‘ erklärt die hohe Zustimmung im Land. Er hat Maßstäbe gesetzt, an denen er jetzt gemessen wird. Weniger bei dieser Doktorarbeit sondern bei den Themen, die wirklich wichtig sind – und von Bedeutung für die Bürger.

Korrekterweise hätte Gottlieb per Fußnote noch auf den „geistigen Urheber“ seiner PR-Botschaft verweisen sollen:

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt kommentierte die Angriffe auf Guttenberg mit den Worten: „Deutschland hat eine geistvollere Opposition verdient als SPD und Grüne, die sich mit dem Abzählen von Fußnoten und Anführungszeichen in juristischen Dissertationen abmühen.“ [Sueddeutsche.de, 16.02.2011]

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