Medien

Von wegen „gut performt“

Der vermeintliche Auflagenboom bei TV-Zeitschriften erweist sich beim näheren Hinsehen als reine Zahlenspielerei.

20. April 2009. Das war doch mal eine vermeintliche Erfolgsmeldung für die so geplagten Zeitschriftenmacher. Das „Segment der Programmzeitschriften“ hätte „mit plus 9,9 Prozent insgesamt gut performt“, meldete das Fachblatt „Horizont“ in seiner Online-Ausgabe nach Veröffentlichung der IVW-Auflagenzahlen in der vergangenen Woche. Und auch „Werben und Verkaufen“ verzeichnete „insgesamt ein Auflagenplus von knapp zehn Prozent“ für die „Programmies“.

Das grenzt schon fast an eine Sensation. In Zeiten, in denen nahezu die gesamte Printbranche über sinkende Verkaufsauflagen klagt, sollen ausgerechnet TV-Zeitschriften dermaßen stark dazu gewonnen haben? Von versierten Medienjournalisten wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass sie dieser vermeintlichen Renaissance der Programmhefte auf den Grund gehen, bevor sie solche Falschmeldungen verbreiten.

Ein Vergleich der beiden Auflagenlisten aus dem ersten Quartal 2008 und 2009 hätte schnell ergeben, dass einige Fachjournalisten schlichtweg auf eine Zahlenspielerei in den IVW-Auflagenlisten hereingefallen sind. Im vergangenen Jahr wurden dort noch die beiden Programmzeitschriften „TV Spielfim“ und „TV Today“ der zu Burda gehörenden Verlagsgruppe Milchstraße mit einer verkauften Auflage von zusammen 2.127.000 Exemplaren geführt.

In der Auflagenliste für das erste Quartal 2009 tauchen beide Titel nicht mehr auf. Dafür erscheint nun plötzlich „TV Spielfilm plus“ mit einer Verkaufsauflage von 1.993.000 Exemplaren, ohne dass die Einzelheftauflagen aus dem Vorjahr gegengerechnet werden. Nach Darstellung auf der Verlagsseite im Internet fallen darunter gleich vier Titel: „TV Spielfilm“ und „TV Today“ jeweils mit ihren beiden Ablegern „TV Spielfilm XXL“ und „TV-Today Digital“.

Von wegen „gut performt“. Ohne diese Zahlenspielerei ging die Gesamtauflage der bei IVW geführten Programmzeitschriften in den ersten drei Monaten 2009 im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 489.000 Exemplare zurück – das macht 2,6% und entspricht wohl eher der harten Realität auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt. Schöner Nebeneffekt für Burda: Die Konkurrenten Bauer mit „TV Movie“ und Springer mit „TV Digital“ mussten sich von den Fachmedien als „die größten Auflagen-Verlierer des Quartals“ (meedia.de) bespötteln lassen.

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