Medien

Volle (Mogel-) Packung für den Playboy

28. September 2015 | Gutes Beispiel für schlechten Journalismus: Das Onlinemagazin MEEDIA macht sich mit der unreflektierten Übernahme einer Pressemitteilung aus dem Hause Burda zur PR-Schleuder für Playboy.de. 

Manche Dinge brauchen im Journalismus ein wenig mehr Zeit – auch ohne Recherche. Zum Beispiel die vermeintliche Aufarbeitung der Pressemitteilung, die von Hubert Burda Media am 22. September unter dem Titel: „Playboy.de: das digitale Männerparadies jetzt in neuem Design“ verbreitet wurde. Zwei Tage später übernahm das Onlinemagazin MEEDIA das Thema und überschrieb den am 24. September veröffentlichten Beitrag mit „Volle Packung“ für den digitalen Lebemann: Burda relauncht Playboy.de.“ Bei näherem Hinsehen erweist sich die „volle Packung“  allerdings als journalistische Mogelpackung, die nicht nur den Männern in Burdas Presseabteilung Spaß bereiten dürfte. MEEDIA hat das von Carina Rey aus Burdas Markenkommunikation vorgegebene Eigenlob für die relaunchte Website des deutschen Playboy.de nahezu vollständig übernommen, einschließlich absurder Huldigungen wie

„Die Website von Burdas Männermagazin kommt nun in einem klareren, modernen Look daher und wurde mittels responsivem Design für die wachsende Zahl mobiler Nutzer optimiert.“

Und weil die Burdas vermeintlich negative Dinge im Zusammenhang mit den eigenen Angeboten naturgemäß nicht selbst kommunizieren, greift auch MEEDIA Aspekte wie die überschaubaren Nutzerzahlen der deutschen Bunny-Website besser nicht auf. Dabei kann mit einfacher Internetrecherche bereits nachvollzogen werden, dass sich der Erfolg von Burdas Bunnys im Netz durchaus in Grenzen hält. Laut IVW-Onlinestatistik hatte Playboy.de im August etwas mehr als 1,8 Millionen Besucher. Für eine Weltmarke wie Playboy ist das allerdings eher ein Flop. Zum Vergleich: BILD.de hatte im selben Zeitraum knapp 317 Millionen Visits und selbst MEEDIA brachte es auf knapp 2,7 Millionen Aufrufe der Website. Wie viele – oder wenige – Abonnenten für das kostenpflichtige Angebot PlayboyPlus mit angeblich „150.00 Bildern und Videos ab 4 Euro pro Monat“ bislang gewonnen werden konnten, ist bei MEEDIA ebenfalls nicht nachzulesen. Das überrascht kaum – schließlich stand das auch nicht in Burdas Pressemitteilung.

Offenlegung: Ich war in den Jahren 2000 bis 2002 Verlagsleiter für den Playboy Deutschland, der seinerzeit noch vom Bauer Verlag (heute Bauer Media Group) herausgegeben wurde. 

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