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Volkers Vermächtnis

4. März 2017 | Am Freitag haben in Magdeburg Freunde, Weggefährten und Kollegen Abschied von Volker Haidt genommen. Der langjährige Morgenmoderator von radio SAW war am 9. Februar nach schwerer Krankheit verstorben. Für den erfolgreichen Privatsender war er viel mehr als nur ein wichtiger Mitarbeiter. 

Wenn bei erfahrenen Radiomanagern die Stimme stockt, muss etwas Schlimmes passiert sein. Eine besonders schlimme Nachricht hatte Mario A. Liese, den Geschäftsführer und Programmdirektor von radio SAW, schon vor drei Wochen erreicht, ausgerechnet an seinem Geburtstag. Kaffeetafel und Umtrunk für die Mitarbeiter waren für diesen Freitagnachmittag schon vorbereitet. Aus der fröhlichen Party wurde nichts. Stattdessen trat Liese mit stockender Stimme vor seine Mitarbeiter und überbrachte die traurige Nachricht, dass am Abend zuvor, am 9. Februar, Volker Haidt für immer eingeschlafen ist. Zuhause im Arm seiner Lebensgefährtin Bettina.

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Abschied von Volker Haidt in der Johanniskirche in Magdeburg. Von links: Die SAW-Moderatoren Frank Wiedemann, Ted Stanetzky, Nadine Rathke, Geschäftsführer und Programmdirektor Mario A. Liese, Moderator Maik „Scholle „ Scholkowsky, Stellvertretende. Programmdirektorin Barbara Klabunde und Volkers Ex-Kollege Holger Tapper | Bild: radio SAW/Peter Gercke

Sein Tod kam nicht überraschend. Schon Mitte des vergangenen Jahres hatte Volker einigen engen Weggefährten anvertraut, dass der „verdammte Krebs“ nun auch ihn „erwischt“ habe. Trotzdem machte er weiter mit dem „Muckefuck“, der Morgensendung von radio SAW, die er mehr als 20 Jahre lang präsentierte. Die letzten Monate seien eine schwere Zeit gewesen, sagt Barbara Klabunde, die stellvertretende Programmdirektorin von radio SAW. Volker hatte ausdrücklich darum gebeten, dass über seine Krankheit im Sender nicht gesprochen wird. Der fortschreitende Krebs forderte jedoch seinen Tribut, beeinträchtigte schließlich auch die Stimme des Moderators. Barbara unterstützte Volker, wo sie nur konnte. Im November war er schließlich so geschwächt, dass er die Moderation der fünfstündigen Morgensendung an den Kollegen Maik ‚Scholle‘ Scholkowsky übergab: „Du musst das jetzt weitermachen, Scholle“, soll er gesagt haben. Was sich so einfach anhört, ist in Wahrheit kein leichtes Vermächtnis.

Bewegende Abschiedsfeier für Volker Haidt – Bilder und das Video der Gedenkveranstaltung auf der Website von radio SAW

Dank seiner sonoren Stimme, seines Charmes, seiner Schlagfertigkeit und – wie sein Kollege Ted Stanetzky zu berichten weiß – auch wegen seiner Schlitzorigkeit, zählte Volker Haidt zur Elite unter Deutschlands Radiomoderatoren. Im Jahr 2011 wurde er mit dem Deutschen Radiopreis als bester Moderator ausgezeichnet. Niemand hat ihm diesen Erfolg missgönnt – so beliebt war er, selbst in der vor Neid gelegentlich berstenden Radiobranche. Und seinem Sender hat er gut getan. radio SAW zählt gemessen an den Marktanteilen im eigenen Verbreitungsgebiet seit langem zu Deutschlands erfolgreichsten Radioprogrammen. Das kommt wohl nicht von ungefähr, glaubt Sina Peschke, selbst Radiopreisträgerin. Die frühere Morgenmoderatorin von Antenne Thüringen und Landeswelle Thüringen „trifft“ seit knapp anderthalb Jahren Prominente für ihre Sendung, die 14täglich am Sonntagvormittag von SAW ausgestrahlt wird.

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Volker Haidt im Kreise der rund 60-köpfigen SAW-Famile | Bild: radio SAW/Arnulf Wenning

Als sie im Herbst 2015 zum ersten Planungsgespräch im Funkhaus von SAW am Stadtrand von Magdeburg zu Gast war, staunte die erfahrene Radiofrau nicht schlecht über die Kantine für die rund 60 Mitarbeiter, in der von Küchen-Fee Rosi „richtig gut gekocht“ wird. Genau wie in der eigenen Kantine gehört es auch im Programm von radio SAW nicht zum Stil des Hauses, dass Konserven aufgewärmt werden. Hier in Magdeburg wird Radio noch selbst gemacht und nicht von irgendwelchen Controllern in fernen Konzernzentralen anhand von Deckungsbeitragsrechnungen fremdbestimmt. Mit nachweisbarem Erfolg. radio SAW ist in Sachsen-Anhalt seit 20 Jahren Marktführer und ein begehrter Partner für die Werbekunden.

Zum Erfolgsrezept gehört wohl auch, dass die „SAW-Familie“ viel mehr ist, als nur ein von Marketingstrategen erdachter öffentlichkeitswirksamer Slogan. Wenn Chefs und Kollegen sich so emotional verabschieden, wie sie’s am Freitag in der Gedenkveranstaltung für Volker Haidt in der Magdeburger Johanniskirche taten, dann zeugt das nicht nur von hoher Wertschätzung für einen verstorbenen Mitarbeiter, sondern vor allem von tiefer menschlicher Zuneigung.  Nahezu alle Mitarbeiter des Senders haben dazu beigetragen, dass der letzte Abschied von dem Kollegen zu einem würdevollen Ereignis wurde.

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Rund 200 Freunde, Kollegen und Wegbegleiter nahmen in der Magdeburger Johanniskirche Abschied von Volker Haidt | Bild: radio SAW/Peter Gercke

Sie haben Bilder aus dem Leben des Verstorbenen mit so viel Liebe zu einem Video zusammengefügt, dass es vielen der rund 200 Gäste in dem zum Veranstaltungszentrum umfunktionierten früheren evangelischen Gotteshaus Tränen der Rührung in die Augen trieb. Kollegen, Freunde und Wegbegleiter erinnerten sich in  Videoeinspielungen an ihre Begegnungen und Erlebnisse mit Volker Haidt. Sein früherer Kollege im Morgenteam, Ted Stanetzky, der die „letzte Show für Volker“ großartig präsentierte, rollte noch einmal so mit den Augen, wie’s der Ober-Muckefucker stets tat, wenn ihm etwas im Sendeablauf nicht gefiel. Am Freitagmittag hätte Volker Haidt ganz bestimmt nicht mit den Augen gerollt. Er wäre viel mehr stolz gewesen auf den würde- und liebevoll gestalteten Abschied seiner Kolleginnen und Kollegen von radio SAW.

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