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Über den Wolken

Bescheidene Ulla Schmidt – sie ließ nur ihren Dienst-Mercedes samt Fahrer und Familie nach Spanien „einfahren“. Kein Grund zur Aufregung, wenn man an die Familienflüge von Rita Süssmuth zurückdenkt. | Titelbild:  Gabriel Garcia Marengo auf Unsplash

28. Juli 2009. Erinnern Sie sich noch an Rita Süssmuth? Die CDU-Politikerin war mal Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit (1985-1988) und Präsidentin des Deutschen Bundestags von 1988 bis 1998. Kurz vor Weihnachten 1996 geriet die damals durchaus populäre CDU-Frau in die Schlagzeilen, nachdem bekannt geworden war, dass sie sich verdächtig häufig mit einer Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr nach Zürich fliegen ließ. „Bild“ listete seinerzeit immerhin 31 Flüge der Bundestagspräsidentin in die Schweiz auf. Nach Medienberichten soll jeder Flug die Steuerzahler 30.000 D-Mark gekostet haben.

Bei Antenne MV in Mecklenburg-Vorpommern haben wir im Dezember 1996 eine herrliche Comedy auf die Süssmuth-Flüge ausgestrahlt. Titel: „Über den Wolken“.

Übrigens, die am Ende des Spots genannte Telefon-Nummer des Bundestags war damals wirklich „echt“, wie nicht zuletzt eine Beschwerde der Bundestagsverwaltung über „zahlreiche merkwürdige Anrufe“ zeigte.

Klar, ähnlich wie jetzt Ulla Schmidt (er)fand auch Süssmuth seinerzeit gute Gründe für ihre Kurztrips nach Zürich. Zum Beispiel eine Rede zum 75jährigen Bestehen der schweizerischen Erwachsenenbildung oder ein Vortrag zum Stand der deutschen Einheit bei der Winterthur Versicherung.

Dass ihre Tochter seinerzeit in Zürich lebte, spielte bei der Bewertung des Sachverhalts durch den Ältestenrat des Bundestags keine Rolle. Der entlastete Rita Süssmuth von dem Vorwurf, die Flugbereitschaft der Bundeswehr für private Zwecke missbraucht – und den Steuerzahler nachhaltig geschädigt zu haben. Süssmuth durfte als Bundestagspräsidentin weiter amtieren, bis sie nach der Wahl im Jahr 1998 zwangsläufig abgelöst wurde. Dieses Schicksal wird Ulla Schmidt im Herbst 2009 mit großer Wahrscheinlichkeit auch ereilen, zumindest hat sie kräftig dazu beigetragen.