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Talk Radio: „Made in America“

26. Juli 2017 | Was in Deutschland kaum bekannt ist: Im US-Wahlkampf wurde Donald Trump von den meisten Radio Talk Shows kräftig unterstützt. Dafür zeigt sich der Präsident jetzt erkenntlich. Am Dienstag durften 18 Talk Hosts der Salem-Gruppe ihre Shows live aus dem Weißen Haus senden. | Titelbild: Jonathan Velasquez bei Unsplash

TV-Duell im US-Wahlkampf im Herbst 2016: Donald Trump gegen Hillary Clinton

Blick zurück in den US-Wahlkampf im Herbst 2016. Damals erfuhren wir hierzulande, dass sich die US-Medien nahezu geschlossen gegen Donald Trump gestellt hätten: Von den journalistischen Flaggschiffen The New York Times und Washington Post über die Fernsehkanäle von CNN, ABC, CBS und NBC bis zu den meisten Onlineportalen, darunter Huffington Post oder BuzzFeed. Viele Redaktionen sprachen offene Wahlempfehlungen zu Gunsten der demokratischen Kandidatin aus oder rieten zumindest davon ab, den für die Republikaner angetretenen Immobilienmilliardär zu wählen.

Wahlempfehlung der New York Times vom 24. September 2016

„Unsere Wahlempfehlung für Hillary Clinton ist Ausdruck unseres Respektes für ihre Intelligenz, Erfahrung und ihren Mut“, schrieb The New York Times in einem am 24. September 2016 veröffentlichten Leitartikel. Nur wenige – vermeintlich versprengte – Medien wie der konservative Nachrichtenkanal Fox News oder die umstrittene Webplattform Breitbart schienen sich für Trump ins Zeug zu legen. Bei Betrachtung der damaligen Berichterstattung deutscher Leitmedien über den US-Wahlkampf fällt auf, dass die wesentlich stärkere Präsenz von Donald Trump gegenüber seiner Gegenspielerin in den Sozialen Medien kaum Erwähnung fand. Die große Rückendeckung, die der heutige Präsident in den meisten Radio Talk Shows erfuhr, wurde – soweit erkennbar – erst gar nicht thematisiert.

Der erzkonservative Rush Limbaugh ist der erfolgreichste Radio Talker in den USA | Bild: rushlimbaugh.com

Tatsächlich sind die Stars der meisten werktäglich ausgestrahlten Talk Shows im US-Hörfunk jedoch streng konservativ; allen voran Rush Limbaugh, der mit seinem Polittalk wöchentlich 14 Millionen Hörer erreicht und seit mehr als einem Jahrzehnt als die einflussreichste Persönlichkeit im US-Radio gilt. Unter den fünf erfolgreichsten Talk Radio Sendungen in den Vereinigten Staaten gelten allein vier als streng konservativ. Neben Limbaugh wenden sich auch andere Moderatoren offen und öffentlich gegen das Recht auf Abtreibung oder die allgemeine Krankenversicherung „Obama Care“.


Top 5 US Radio Talk Shows

  1. Rush Limbaugh | Politik und Gesellschaft, streng konservativ | 14 Mio.
  2. Sean Hannity | Politik und Gesellschaft, streng konservativ | 13,5 Mio.
  3. Dave Ramsey | Finanzen und Wirtschaftspolitik, moderat konservativ | 13 Mio.
  4. Michael Savage |Politik und Gesellschaft, streng konservativ | 11 Mio.
  5. Glenn Beck |Politik und Gesellschaft, streng konservativ | 10,5 Mio.

Hörer pro Woche im Juni 2017, Quelle: Talkers.Com


Talk Host Mike Gallagher mit Trump-Beraterin Kellyanne Conway | Bild: mikeonline.com

Doch es waren nicht nur die ganz Großen unter den Meinungsmachern im Radio, die sich im Wahlkampf für Donald Trump stark machten. Auch lokale und regionale Talk Show Hosts gewährten im vergangenen Jahr dem vermeintlichen Außenseiter ihre verbale Unterstützung. Einige von ihnen wurden vom Präsidenten jetzt für ihre Zuneigung belohnt. Am Dienstag durften insgesamt 18 Moderatoren der christlich-konservativ geprägten Salem Radiogruppe ihre Sendungen aus dem Weißen Haus ausstrahlen. In Anlehnung an Trumps Wahlkampfslogan „Make America great again“ hatte die Sendergruppe den 25. Juni unter das Motto „Made in America“ gestellt. In einer zuvor verbreiteten Pressemitteilung hatte Salem auch überhaupt kein Geheimnis aus der Unterstützung für den sonst so oft von den US-Medien gescholtenen Präsidenten gemacht:

Made in America day at the White House will be an opportunity for radio listeners across the country to hear from key decision makers in the Administration, and interact with them about the President’s agenda, and progress on President Trump’s commitment to Make America Great Again. Salem Media Group’s national audience represents a core component of conservative voters who supported the election of President Trump.

Zwar stand Trump selbst für Interviews an diesem Tag nicht zur Verfügung, dafür propagierten enge Mitarbeiter dessen Maßnahmen und politische Entscheidungen. Talk Host Mike Gallagher, der immerhin sieben Millionen Hörer pro Woche hat, ließ sich von PR-Frau Kellyanne Conway erklären, warum viele US-Medien gegenüber der Trump-Administration „völlig überreagieren“. Ob sie dafür auch „alternative Fakten“ parat hatte…?

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