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Tägliche Gratiszeitungen sind offenbar doch kein Zukunftsmodell

Der Metro-Zeitungskonzern stellt alle Ausgaben seiner täglichen Gratisblätter in Spanien ein. New York könnte als nächstes folgen.

Titelseite der Madrider Metro-Ausgabe vom 29. Januar 2009 – Quelle Metro International S.A.

30. Januar 2009. „Es war an der Zeit, dass die Hypothekenzinsen sinken“, titelte am Donnerstag die Madrider Ausgabe der Gratiszeitung „Metro“. Und – „Jetzt ist es offiziell, Spanien befindet sich in einer Rezession“, lautete die Überschrift zu einer weiteren Meldung über die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Spanien mit voller Wucht getroffen hat. Nicht verraten wurde den – nach Verlagsangaben – täglich 1,8 Millionen Lesern der insgesamt sieben „Metro“-Ausgaben in Madrid, Barcelona und fünf weiteren Städten des Landes indes, dass ihre Zeitung am Donnerstag zum letzten Mal erschien. Die 80 Mitarbeiter des Verlages in Spanien wurden erst am Donnerstagmittag durch den in Luxemburg ansässigen Mutterkonzern Metro International über die sofortige Einstellung der Gratisblätter informiert.

Auf der Website des Konzerns teilte Mikael Jensen, Vorstandschef von Metro International S.A. am Donnerstagnachmittag mit, dass der „völlige Zusammenbruch des spanischen Anzeigenmarktes“ zu der Entscheidung geführt habe. Bis jetzt seien bei der spanischen Tochter Verluste in Höhe von 25,5 Millionen Euro aufgelaufen. Für die Abwicklung rechnet das Metro-Management mit weitern Kosten in Höhe von 5 bis 6 Millionen Euro.

Dabei war Metro im Jahr 2001 auf der iberischen Halbinsel durchaus erfolgreich gestartet. Bis 2004 habe man Gewinne erzielt, räumt der Konzern in der gestern veröffentlichten Pressemitteilung ein. Durch zwischenzeitlich hinzugestoßene Mitbewerber wie „20 minutos“, „Que“ und „ADN“ und die einsetzende Wirtschaftsflaute verbunden mit sinkenden Anzeigenschaltungen, wurde das Geschäft in Spanien allerdings zunehmend unrentabler und führte schließlich zur Einstellung der „Metro-Ausgaben“.

Ohnehin gilt Spanien als Entwicklungsland in Sachen Zeitungsnutzung. Nur jeder 10. Spanier kauft eine Tageszeitung. Europaweit ist es nach Erkenntnissen des Kölner Stadt-Anzeigers immerhin jeder Fünfte. Dafür läuft in spanischen Haushalten das Fernsehen nahezu ununterbrochen. Die TV-Kanäle generieren denn auch den Großteil der Werbegelder. Nur 20% der Werbebudgets gehen dagegen an Zeitungen und Zeitschriften. Zum Vergleich – in Deutschland flossen im Jahr 2007 immer noch knapp 60% aller Netto-Werbeausgaben für Medien in den Printmarkt .

Weitere Pleiten drohen

Für den Metro-Konzern, der zu Beginn des Jahres nach eigenen Angaben noch Gratiszeitungen in rund 150 Großstädten in 19 Ländern herausgab, ist das Aus in Spanien bereits der zweite herbe Rückschlag in diesem Jahr. Am 8. Januar wurde bereits die polnische Ausgabe „Metropol“ eingestellt. Einen Tag später teilte der Konzern mit, dass ein Teil der in London stationierten Mitarbeiter bis Ende dieses Jahres aus Kostengründen nach Stockholm „zurückgeholt“ würden.

Während in den skandinavischen Ländern und den Niederlanden die Anzeigengeschäfte offenbar noch ordentlich laufen, gibt es bereits Spekulationen über weitere Einstellungen von Gratisblättern des Metro-Konzerns in weiteren südeuropäischen Ländern – und auch in New York, wie am Donnerstagabend spanische Internetdienste berichteten. Es sieht ganz danach aus, als sollte das Zukunftsmodell der täglichen Gratiszeitungen gescheitert sein, bevor es – zumindest bei uns in Deutschland – überhaupt so richtig begonnen hat.

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