Medien

Strategen, die sich selbst ins Knie schießen

30. November 2012 | Viele deutsche Verleger und deren Manager wollen das Internet einfach nicht verstehen. Die geplante Einforderung von Leistungsschutz bei Google und Co. ist der vorläufige Höhepunkt der nunmehr schon seit eineinhalb Jahrzehnten andauernden Hilf- und Ahnungslosigkeit im Umgang mit dem Netz.

Es gibt Dinge, die ich einfach nicht verstehe. Dazu gehören unter anderem Skat, Sinus, Kosinus und das Leistungsschutzrecht. Ich habe beim besten Willen nicht verstanden, welche Ziele deutsche Verlagsmanager mit der Durchsetzung des so genannten Leistungsschutzes verbinden. Der immer wieder angeführte vermeintlich moralische Beweggrund, dass Google mit den von deutschen Verlagen zur Verfügung gestellten Inhalten Geld verdienen würde, ist genauso dumm wie abgedroschen.

Innovativ ist der Leistungsschutz gewiss nicht und nennenswerte zusätzliche Erlöse werden Springer, Burda, Bauer und Co. damit wohl auch nicht erzielen. Wahrscheinlicher ist, dass vor allem Google für sein News-Angebot Alternativen suchen und auch finden wird:

  • In Deutschland werden sich längst nicht alle Verlage und Betreiber von Onlinemedien dem vermeintlichen Google-Boykott anschließen. Im Gegenteil: „Für eine kleine Zeitung wie die taz ist es bares Geld wert, von Google verlinkt zu werden“, schreibt beispielsweise Chefredakteurin Ines Pohl in einem am Freitag veröffentlichten Kommentar.
  • Die Google-Verweigerung etablierter deutscher Verlage und die geplante Einrichtung von Paywalls bieten nahezu ideale Voraussetzungen für den Einstieg neuer, auch ausländischer Betreiber von Newsportalen. So will die Huffington Post im kommenden Jahr mit einem deutschsprachigen Angebot ins Netz gehen.
  • Zudem würde ich nicht ausschließen, dass Google selbst ein Newsportal für Deutschland startet. Die Werbevermarktung zur Finanzierung eines solchen Angebots würde Google allemal besser in den Griff bekommen, als es deutsche Verlage bislang schaffen. Immerhin – mit über 20 Mrd. US-Dollar hat Google im ersten Halbjahr 2012 allein mehr Werbeumsätze erzielt, als alle Zeitungen und Zeitschriften in den USA zusammen (siehe auch die Grafik bei Statista). Mit einem eigenen Newsportal könnte Google beispielsweise das eigene „Kleinanzeigengeschäft“ (AdSense und AdWords) in Deutschland forcieren, was wiederum zu Lasten der hiesigen Verlage ginge.

Zusammengenommen halte ich es für ein gefährliches Spiel, was deutsche Verleger und Medienmanager in Sachen Leistungsschutz treiben, zumal darin auch keine Strategie im Hinblick auf die Entwicklung der eigenen Onlinemedien zu erkennen ist. „Strategie“ bedeutet „Feldherrenkunst“. Es ist wohl zu befürchten, dass sich diese „Feldherren“ in den Chefetagen vieler Verlagshäuser nicht nur selbst ins Knie schießen, sondern darüberhinaus auch die Zukunft des Journalismus hierzulande ernsthaft gefährden.