Medien

Staatsfeinde zum Download

Mit der ARD-Krimiserie „Radio-Tatort“ könnte das Hörspiel neue Anhänger finden, zumal fast alle neuen Folgen jetzt auch im Internet nachzuhören und herunterzuladen sind.

20. Januar 2009 | Wer den „Staatsfeinde“ im Radio hören will, muss sich beeilen. Die aktuelle Folge der Krimi-Reihe „Radio-Tatort“ läuft am Dienstagabend zum letzten Mal bei RBB-radioeins. In den Tagen zuvor war das Hörspiel von insgesamt 14 weiteren ARD-Programmen ausgestrahlt worden. Zumeist allerdings weitgehend unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit, weil für die Krimiserie nur abendliche Sendeplätze in Programmen zur Verfügung stehen, die wie Bayern 2 oder MDR-Figaro im Vergleich zu den öffentlich-rechtlichen Dudelwellen ohnehin nur wenige H?öer haben. Da ist es gut, dass in diesem Jahr 11 der 12 geplanten Tatort-Folgen im Internet nachzuhören und auch als MP3-Audios herunterzuladen sind.

Wegen der im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag festgelegten zeitlichen Beschränkungen für programmbegleitende Inhalte der öffentlich-rechtlichen Anstalten im Internet, muss allerdings auch der „Radio-Tatort“ spätestens sieben Tage nach der letzten Ausstrahlung im Hörfunk wieder aus dem Netz genommen werden. Die Januar-Episode „Der Staatsfeind“ ist demnach nur noch bis zum 26. Januar auf der Website zur Krimireihe abrufbar. In dem 55 Minuten langen Hörspiel ermittelt Hauptkommissar Nadir Taraki vom LKA Düsseldorf bei einer Geiselnahme im Umfeld eines G8-Gipfels am Bonner Petersberg.

Taraki, gesprochen von dem türkischstämmigen Schauspieler Baki Davrak, ist einer von insgesamt neun Ermittlern, die zwischen Hamburg und Bruck am Inn, einer fiktiven bayerischen Kleinstadt, auf Täterjagd sind. Jeden Monat gibt’s eine neue Folge, die ganz nach dem Vorbild der seit Jahrzehnten erfolgreich Fernsehserie reihum im Auftrag einer der beteiligten ARD-Anstalten produziert wird.

Keine Kopie des Fernsehkrimis

Inhaltlich hat der „Radio-Tatort“ mit der TV-Serie allerdings wenig gemeinsam. Bei Konzeption der Serie wurde von vornherein auf Adaptionen der Fernsehreihe verzichtet, um den besonderen dramaturgischen Anforderungen an Hörspiele gerecht zu werden. Zumindest aus Sicht der ARD-Verantwortlichen scheint das gelungen zu sein. Und es soll wohl künftig weitere Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen in dieser Hinsicht geben, wie der seit Jahresbeginn amtierende ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust in einem Interview mit der Badischen Zeitung andeutete: „Wir müssen fortsetzen, was wir im Radiobereich zum Beispiel erfolgreich mit dem Radio-Tatort begonnen haben.“

Mit der – wenn auch zeitlich begrenzten – Möglichkeit, die Radio-Tatorte im Internet nachzuhören und herunterzuladen, könnte das ins Abseits geratene Genre des Hörspiels durchaus neue Anhänger finden. Ein spannender Krimi im MP3-Player ist beispielsweise auf einer langen Autofahrt allemal unterhaltsamer, als die ewig gleichen „größten Hits der 80er, 90er und dem Besten von heute“ auf den Dudelwellen im Autoradio.

Top