Medien

Sprachliche Entgleisungen

14. Juni 2010 | Die überflüssige Skandalisierung des „verbalen Blackouts“ von ZDF-Sportmoderatorin Kathrin Müller-Hohenstein könnte auch einen Lerneffekt haben: Fernsehleute sollten künftig wieder mehr nachdenken, bevor sie losplappern.

Da hat ja Kathrin Müller-Hohenstein gerade noch einmal Schwein(i) gehabt: Vorzeigeblogger Stefan Niggemeier hat der Mainzelfrau noch in der Nacht zum Montag versichert, dass sie gar nicht so sehr danebenlag, als sie in der Halbzeitpause des WM-Spiels Australien gegen Deutschland im Zusammenhang mit Kloses Tor von einem „inneren Reichsparteitag“ für den zuletzt häufig gescholtenen Torschützen sprach: „Für mich ist das eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben, ein Gefühl von Schadenfreude oder die Genugtuung, es allen gezeigt zu haben“, beschied Niggemeier und war damit in seinem Urteil ungewöhnlich gnädig.

Natürlich hat der Medienjournalist recht, dass es Blödsinn ist, diesen verbalen Fehltritt zu skandalisieren indem beispielswiese „Welt Online“ Vergleiche mit den umstrittenen Äußerungen der früheren Tagesschausprecherin Eva Herman anstellt: „Besonders erstaunlich scheint Müller-Hohensteins Entgleisung vor dem Hintergrund, dass erst unlängst eine Moderatorinnenkollegin mit Vergleichen zu Hitlers Herrschaft für einen Skandal und in der Folge ihre Entlassung gesorgt hatte.“ Nein, KMH, wie Kathrin Müller-Hohenstein früher als Moderatorin bei „Antenne Bayern“ gern genannt wurde, hat mit brauner Gesinnung nichts zu tun. Was sie da am Sonntagabend in der Halbzeitpause sagte, war für ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz „eine sprachliche Entgleisung“ – oder einfach nur dumm.

Ähnlich dumm wie beispielsweise meine Bemerkung vor einigen Monaten in einer Vorlesung an der Hochschule Mittweida, dass in einem dargestellten journalistischen Fall „getürkt“ – und nicht etwa betrogen worden sei. Am Ende der Veranstaltung kamen zwei Studierende zu mir und wiesen mich auf diesen Fauxpas hin. Meine Reaktion: 1. Ich war erschrocken über mich selbst. 2. Bei der nächsten Vorlesung habe ich mich für meine Wortwahl ausdrücklich entschuldigt. 3. Seitdem versuche ich wieder gründlicher nachzudenken, bevor ich den Mund aufmache (was meistens auch gelingt).

Warum soll es also nicht möglich sein, dass sich Kathrin Müller-Hohenstein bei ihrem nächsten „Auftritt“ im ZDF für den „inneren Reichsparteitag“ bei den Zuschauern entschuldigt und künftig wieder etwas mehr nachdenkt, bevor sie losplappert. Das ist übrigens ein Ratschlag, den viele Radio- und Fernsehmacher beherzigen sollten. Denn in vielen Tweets, zahlreichen Blog- und Newsportalbeiträgen wurde seit Sonntagabend wieder einmal nachgewiesen, dass sich so leicht nichts „versendet“. Und das ist auch gut so.

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