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Spotlight und Michael Moore

Update, 29. Februar 2016: „Spotlight“ wurde bei der 88. Oscar-Verleihung in der Nacht zum 29. Februar 2016 als Bester Film ausgezeichnet. |

25. Februar 2016. Wer sich für Journalismus interessiert, wird in den nächsten Tagen vermutlich gleich zweimal ins Kino gehen: “Spotlight” – das Drama um die ungeheuerlichen Enthüllungen des Boston Globe zu Beginn des Jahrhunderts und Michael Moores ungewöhnlicher Blick auf Europa in seiner Doku “Where To Invade Next” sind beste Gründe dafür.

Das Spotlight-Team im Fim: Michael Keaton, Liev Schreiber, Mark Ruffalo, Rachel McAdams, John Slattery und Brian d’Arcy James
Das Spotlight-Team im Fim: Michael Keaton, Liev Schreiber, Mark Ruffalo, Rachel McAdams, John Slattery und Brian d’Arcy James

Wenn in der Nacht zum Montag im Dolby Theatre am Hollywood Boulevard die diesjährigen Oscars vergeben werden (Übertragung bei ProSieben, 28. Februar 2016, ab 23.05 Uhr) könnte “Spotlight” durchaus für eine Überraschung sorgen. Zwar gilt der historische Western “The Revenant” mit Leonardo di Capri in der Hauptrolle immer noch als Favorit. Zumindest bei Wettbüros hat das Drama um die ungeheuerlichen Enthüllungen eines Reporter-Teams der Tageszeitung Boston Globe inzwischen deutlich aufgeholt und gilt mittlerweile zumindest als Mitfavorit in der Kategorie “Bester Film”. Für fünf weitere Oscars wurde “Spotlight” ebenfalls nominiert; darunter Tom McCarthy und Josh Singer, die als nahezu sichere Anwärter für das “Beste Original-Drehbuch” gelten.

Der Film basiert auf wahren Ereignissen und schildert die Aufdeckung von sexuellem Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in den Jahren 2001 und 2002 durch ein Investigativ-Team der Tageszeitung The Boston Globe. Mehr als 600 Artikel zu den Missbrauchsfällen und deren Vertuschung durch die katholische Kirche veröffentlichte der Boston Globe ab 2002. In den folgenden zehn Jahren kam es daraufhin zu Tausenden Anklagen gegen katholische Priester wegen sexuellem Missbrauchs von Minderjährigen.

Zum Start des Films an diesem Donnerstag (25. Februar) in Deutschland gab’s überwiegend gut, gelegentlich gar euphorische Kritiken: Denn natürlich ist Spotlight nicht nur ein Film über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, sondern auch über eine Form von investigativem Journalismus, der heute vom Aussterben bedroht ist” , schrieb beispielsweise Martin Schwickert bei ZEIT Online.  Für den Blogger und TV-Moderator Richard Gutjahr ist Spotlight “ein Plädoyer für unabhängigen Journalismus. Der Film zeigt, welche Bedeutung klassische Medien auch in Zukunft für unsere Gesellschaft haben können, wenn es uns gelingt, traditionelle journalistische Tugenden und neue Technologien zusammenzuführen.”

Ebenfalls am 25. Februar kam die neue Doku von Michael Moore in Deutschlands Kinos – allerdings nicht so breit “gestreut” wie “Spotlight”. In “Where to Invade Next” hat sich der Filmemacher in Europa umgesehen und führt seinen Landsleuten in den USA vermeintliche paradiesische Zustände auf dem “Alten Kontinent” vor: Isländische Staatsanwälte, die Banker anklagen beispielsweise oder einen italienischen Fabrikbesitzer, der seinen Mitarbeitern freiwillig mehr Ferien gibt, weil sie dann glücklicher sind. An uns Deutschen fasziniert den Filmemacher, dass wir uns mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, insbesondere mit den dunklen Zeiten in unserer Historie, was er in seinem Land für undenkbar hält.

Michael Moore, der mit  “Bowling for Columbine” und “Fahrenheit 9/11” zu Weltruhm gelangte und gleichzeitig den Hass konservativer Amerikaner auf sich zog, ist mit seinem neuen Film nach längerer schöpferischer Pause wieder eine eindrucksvolle Dokumentation gelungen, in der sich der Filmemacher als erbitterter Gegner der Republikaner erneut in den US-Wahlkampf einmischt: unkonventionell und eindrucksvoll.