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So sieht „Bild“ einen tödlichen Unfall

7. August 2012 | Mit einer eigenwilligen Illustration gibt „Bild.de“ eine tödlich verunglückte Hausfrau der Lächerlichkeit preis. | UPDATE 30. Dezember 2012: Die geschmacklose Darstellung des Fenstersturzes wurde in der Zwischenzeit entfernt. 

Ereignet hatte sich der tragische Unfall mit tödlichem Ausgang am vergangenen Donnerstag (2. August). Wie die Polizei München drei Tage später – am Sonntag – mitteilte, war eine 53jährige Hausfrau auf dem Rasen vor einer Wohnanlage im  Stadtteil Neuperlach leblos aufgefunden worden:

Die Frau hatte sich bei geöffnetem Fenster auf einen Schreibtischdrehstuhl gestellt, um die Gardinen vom Fenster abzunehmen. In unmittelbarer Nähe des Fensters standen auch Utensilien zum Fensterputzen bereit. Offensichtlich verlor die Frau den Halt und stürzte etwa 16 Meter in die Tiefe.

Auf Grundlage der Polizeimeldung berichteten zahlreiche Medien wie „Sueddeutsche.de“, „Antenne Bayern“ oder das Boulevardblatt „tz“ in ihren Webportalen angemessen zurückhaltend über den tragischen Unfall. „Bild“ dagegen gab sich – wie gewohnt – mit der sachlichen Darstellung des schlimmen Ereignisses keinesfalls zufrieden. Damit die bei „Bild.de“ und „Bild mobil“ am frühen Montagmorgen veröffentlichte geschmacklose „Homestory“ um die Tote auch optisch in Szene gesetzt werden konnte, wurde nicht nur ein Foto der Verunglückten veröffentlicht, sondern das tragische Ereignis obendrauf noch illustriert. Mit der Bildunterschrift „So sah der BILD-Zeichner den Unfall“ erschien eine Illustration, die mich unweigerlich an Abbildungen in meinem Struwelpeter-Buch aus der Kindheit erinnerten.

Die tragisch verunglückte Hausfrau wurde nicht nur durch ein Foto in die Öffentlichkeit gezerrt, sie wurde mittels der despektierlichen Zeichnung nach ihrem Tod durch „Bild“ auch noch der Lächerlichkeit preisgegeben. Und das ist widerlich.

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