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Schneller, einfacher und verdammt gefährlich

16. Januar 2010 | Viele warnen vor Sicherheitslücken beim Internet Explorer – nur Microsoft selbst kaum.

Update am 22. Januar 2010: Microsoft hat jetzt ein außerplanmäßiges Sicherheitsupdate veröffentlicht, das insgesamt acht Sicherheitsl?cken in zentralen Windows-Systemkomponenten schließt. Weitere Hinweise beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Das wirkt schon fast wie eine Selbstverspottung. Wer die deutschsprachige Windows-Seite von Microsoft aufruft, findet gleich oben ein Banner mit der Aufschrift „Internet Explorer 8 – schneller, einfacher und sicherer Browsen“. Einen Klick weiter kann die aktuelle Version des Browsers sofort heruntergeladen werden. Doch das sollten PC-Besitzer zurzeit auf keinen Fall tun, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). In einer am Freitag verbreiteten Pressemitteilung heißt es schon in der Überschrift: „Kritische Sicherheitslücke im Internet Explorer – BSI empfiehlt die vorübergehende Nutzung alternativer Browser.“ Betroffen sind nach Angaben des BSI „die Versionen 6, 7 und 8 des Internet Explorer auf den Windows-Systemen XP, Vista und Windows 7.“

Während viele Medien diese wichtige Information seit Freitag im großen Stil verbreiten, ignoriert Microsoft auf den eigenen deutschsprachigen Websites diese fundamentale Sicherheitswarnung. Informationen verbreitet der Software-Gigant lediglich über ein englischsprachiges „Security Advisory“ im „Microsoft Tech Net“, das allerdings kaum einem PC-Besitzer bekannt sein dürfte. Dort wird empfohlen, den Internet Explorer zurzeit nur im „geschützten Modus“ auszuführen und dabei das „Acitve Scripting“ abzuschalten.

Im Hinblick auf die eingeschränkte Funktionsfähigkeit des Browsers entspricht dieser Hinweis in etwa einer Empfehlung von Mercedes, das eigene Auto vorerst nur zu schieben und keinesfalls zu fahren. Zudem warnt das BSI, dass mit den von Microsoft empfohlenen Maßnahmen Angriffe zwar erschwert, jedoch nicht vollständig verhindert werden könnten.

Die erneute Sicherheitspanne dürfte Microsoft erhebliche Anteile auf dem Browser-Markt kosten. Zurzeit haben die letzten drei Versionen des Internet-Explorers (6, 7, 8) zusammen in Deutschland zwar noch einen Anteil von knapp 65 Prozent. Allerdings steigen immer mehr PC-Besitzer auf den freien Webbrowser Mozilla Firefox um, der inzwischen bei knapp 30 Prozent liegt und vor allem von jungen Nutzern bevorzugt wird. Microsoft hat inzwischen zugesichert, die Sicherheitslücken schnellstens beheben zu wollen. Bis es soweit ist, müssen eingefleischte Anhänger des Internet Explorers ihre Computer wohl durchs Netz „schieben“.

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