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RTL mag es lieber bizarr

Die umstrittene Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“ wird auch mit harter Sex-Werbung finanziert.

Screenshot aus der RTL Doku-Soap Erwachsen auf Probe, Donnerstag, 11.06.09, ca. 01.50 Uhr

11. Juni 2009 | Eingefleischte RTL-Zuschauer können sich über mangelnde Abwechslung im Programm ihres Lieblingssenders wohl nicht beklagen – auch nachts nicht. Donnerstagmorgen gegen 01.50 Uhr ist Mario völlig überfordert. Einer der „Leihväter“ aus der RTL-Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“ will der kleinen Theresa zum Frühstück Ravioli machen. „Kein perfektes Frühstück für ein Baby“, kommentiert der Sprecher süffisant die absurde Szene – aber „zum Glück zeigt sich Theresa geduldig.“

Screenshot Werbespot bei RTL, Kontaktdaten wurden nachträglich unkenntlich gemacht

Keine drei Minuten später wollen „sinnlich leidenschaftliche Frauen ihre erotischen Fantasien“ mit den nächtlichen RTL-Zuschauern „ausleben“. Das ist nicht Teil der Doku-Soap, sondern einer von mehreren deftigen Sex-Spots, die im Werbeblock inmitten der Serie eingebettet sind, die laut RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt „das Wohl der Kinder und Eltern fest im Blick“ hat.  Es geht auch noch härter. Auf das nackte Hinterteil einer Blondine folgt eine Brünette im lackierten Leder-Outfit mit Peitsche vor dem Schoß und der Aufforderung: „Du magst es lieber bizarr und weißt genau, was du willst. Sende eine SMS mit ‚Lady‘ an die….“

RTL mag es wohl auch lieber bizarr

Zwei Minuten später sind „Elvir und Nadine auf dem Weg zum Supermarkt. Ungewohnt für die Beiden ist, dass ein Baby dabei ist, das ihre ganze Aufmerksamkeit fordert. Mindestens so lange, bis RTL erneut die Doku-Soap für den nächsten Werbeblock unterbricht. Diesmal gibt’s „Sexy-Handy-Videos nur für dich“.

Angesichts dieses Szenarios können die vollmundigen Erklärungen von RTL-Chefin Anke Schäferkordt nur noch als Verhöhnung der mitwirkenden Laiendarsteller und der Zuschauer angesehen werden. Vor Ausstrahlung der ersten Folge „Erwachsen auf Probe“ am 3. Juni hatte sich die Geschäftsführerin gegen massive Kritik persönlich ins Zeug gelegt und unter anderem auf der Website zur Serie versichert, dass der Sender alle notwendigen Vorkehrungen für die Beteiligten an der Dokumentation getroffen habe: „Wir haben hier unsere Verantwortung in vollem Unfang wahrgenommen.“

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