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Rider on the Storm

25. Mai 2013 | Warum der Doors-Keyboarder Ray Manzarek ausgerechnet in der oberbayerischen Provinz verstarb. Dank engagierter Lokaljournalisten wissen wir’s.

 

„Am Strand von Venice Beach in Kalifornien hatte Ray Manzarek im Sommer 1965 zusammen mit Jim Morrison die Band The Doors gegründet. Nun starb der Keyboarder der legendären Rockgruppe in einem Krankenhaus in Rosenheim an Gallengangkrebs.“

So beginnt der Text, den SPIEGEL Online in der Nacht zum Dienstag  zum Tod des 74jährigen amerikanischen Rockmusikers veröffentlichte. Warum Manzarek allerdings in der oberbayerischen Provinz verstarb, konnten – oder wollten – die SPIEGEL-Leute ihren Lesern nicht verraten. In anderen Veröffentlichungen gab es am Montag und Dienstag nur vage Hinweise zu den Umständen des Todes von Manzarek. So meldete die Tagesschau lediglich, dass er sich in Rosenheim „zur Behandlung aufgehalten habe“.

Da blieben Fragen offen. Warum lässt sich ein ehemaliger US-Rockstar ausgerechnet in Rosenheim – und nicht etwa in einer der auf Krebsbehandlungen spezialisierten Kliniken in den USA behandeln? Hört und liest man nicht gelegentlich, dass schwerstkranke Krebs-Patienten aus Deutschland zur Behandlung nach Amerika reisen, weil sie dort eine letzte Chance auf Heilung ihrer Krankheit wähnen?

Für SPIEGEL Online, Tagesschau und Co. waren solche Fragen offensichtlich nicht relevant. Vermutlich wären nie weitere Hintergründe über den Tod des Doors-Keyboarders bekannt geworden, wenn nicht engagierte Redakteure des lokalen Oberbayerischen Volksblatts die Geschichte hinter der Meldung erkannt hätten. Am Mittwoch dieser Woche erschien dann ein gut recherchierter Beitrag unter dem Titel „Tod einer Rocklegende“ als Aufmacher des Lokalteils.

Darin ist nachzulesen, dass Ray Manzarek zu einer Therapie gegen den Gallengangkrebs in die St. Georg Klinik in Bad Aibling bei Rosenheim gekommen war. Das war durchaus kein Zufall – in der Fachklinik für innere Medizin mit 55 Betten werden nach Recherchen des Oberbayerischen Volksblatts seit Jahren „immer wieder prominente Krebspatienten aus der ganzen Welt behandelt“. Für Ray Manzarek kam diese medizinische Hilfe jedoch zu spät. Nachdem sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert hatte, wurde er Ende der vergangenen Woche von Bad Aibling in das benachbarte Rosenheimer Krankenhaus verlegt, wo er am Pfingstmontag im Kreise seiner engsten Angehörigen verstarb.

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft im Hintergrund „Riders on the Storm“. Bei der im Jahr 1971 auf dem Doors-Album „L.A. Woman“ veröffentlichten Rockballade hatte Ray Manzarek auf dem elektronischen Piano Donner und Regeneffekte nachgeahmt – und damit ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Der Song wurde im Jahr 2009 in die „Grammy Hall of Fame“ aufgenommen und gehört damit zu den größten Rocksongs aller Zeiten.

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