Medien

Richtig und falsch (3)

12. Mai 2010 | Die Zeitungsverleger und die FDP-Medienexpertin +++ die „Abendzeitung“, das „iPad“ und der Gutjahr +++ der Grimme Online Award und das Entwicklungsland im Internet.

Es ist wohl aus Sicht Deutscher Zeitungsverleger richtig, dass der Präsident ihres Bundesverbandes (BDZV), Helmut Heinen, den öffentlich-rechtlichen Anstalten wegen deren „Online-Nachrichtenangebote“ mal wieder damit droht, „auf die EU-Kommission zuzugehen“ („Handelsblatt“, 11.05.2010). Falsch ist vermutlich, dass sich die Zeitungsleute dabei wirksame Unterstützung von FDP-Medienexpertin, Silvana Koch-Mehrin, erhoffen (turi2, 11.05.2010).

Das Vertrauen in die Medienkompetenz der Vizepräsidentin des EU-Parlaments war erst vor enigen Wochen durch ihren untauglichen Vorstoß in Richtung eines Werbeverbots für ARD und ZDF nach spanischem Vorbild nachhaltig erschüttert worden. In „Bild“ hatte Frau Koch-Mehrin seinerzeit erklärt: „Was in Spanien funktioniert, wird ja auch in Deutschland nicht zum Untergang von ARD und ZDF führen.“ Nur – dass auf der iberischen Halbinsel das öffentlich-rechtliche Fernsehen seit dem Werbeverzicht von den Privatsendern durch Ausgleichszahlungen mitfinanziert wird, war der FDP-Frau entweder nicht bekannt, oder sie hat’s lieber verschwiegen. Also Vorsicht, liebe Verleger, vor den Vorschlägen der FDP-Frau, die könnten teuer werden.

Richtig ist, dass die „Abendzeitung“ – trotz der öffentlich-rechtlichen Online-Attacken – weiterhin um jeden Käufer am Kiosk kämpft und deswegen auf der Titelseite ihrer Dienstagsausgabe die Verlosung eines „brandneuen iPad“ ankündigte. Falsch sind allerdings Vermutungen, dass der Journalist und Blogger Richard Gutjahr dem notleidenden Münchner Boulevardblatt sein „Tablet“ für die Aktion „spendierte“. Gutjahr hatte am 3. April als weltweit erster Kunde im New Yorker Apple Flagstore sein „iPad“ in Empfang genommen und darüber mitreißend in seinem Blog berichtet.

Falsch ist deswegen, dass „Gutjahr’s Blog“ genauso wenig zu den Nominierten des diesjährigen Grimme Online Awards gehört, wie die – von mir für preiswürdig erachteten – Blogs „medial digital“ der Medienjournalistin Ulrike Langer und der „JakBlog“ ihres Berufskollegen Christian Jakubetz. Richtig ist wohl, dass die Grimme-Nominierungskommission mit ihren 23 Vorschlägen „für die Endrunde“ vor allem unter Beweis stellen wollte, dass Deutschland immer noch zu den Entwicklungsländern im Internet gehört (auch wenn ich dem nominierten „Fernsehkritik.TV“ ganz fest die Daumen drücke).