Medien

Radio Hamburg war sein Baby

Die traurige Nachricht erreichte mich am späten Samstagnachmittag: Rainer M. Cabanis, einer der ersten – und wohl auch letzten – großen Persönlichkeiten des Privatradios in Deutschland ist tot. Wie aus einer in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichten Todesanzeige zu entnehmen ist, starb mein Freund Rainer am vergangenen Montag im Alter von 63 Jahren. Zu den Umständen seines Todes gibt es keine Hinweise.

Rainer M. Cabanis – Bild: Radioszene.de

28. Juni 2009 | Für mich war Rainer Cabanis einer der wenigen wirklichen – und vor allem aufrichtigen – Freunde in der so häufig von Neid, Missgunst und Großspurigkeit geprägten Medienszene. Dabei verlief unsere erste Begegnung im Herbst 1986 alles andere als erfreulich für mich: Damals hatte ich mich als „Discjockey“ für das gerade im Aufbau befindliche „Radio Hamburg“ beworben. Ich hatte damals zwar große Ambitionen, doch wenig Talent als Moderator.

Trotzdem durfte ich nicht dabei sein, als das erste Privatradio in der Hansestadt Silvester 1986 auf Sendung ging. Rainer hatte in den wenigen Monaten der Vorbereitung eine tolle Radiomannschaft zusammengestellt, die mit einem modernen großstädtisch ausgerichteten Programm bald für Furore im Äther sorgte. Damalige Nachwuchsmoderatoren wie Britta von Lojewski, Jörg Draeger und vor allem John Ment, der heute noch bei Radio Hamburg die Frühsendung präsentiert, wurden bald zu bekannten Größen in der Hansestadt, während sich Rainer selbst bescheiden zurückhielt und einfach einen exzellenten Job als Programmdirektor machte.

„Radio Hamburg ist immer noch mein Baby“, sagte mir Rainer Cabanis in einem Interview aus Anlass des 20jährigen Jubiläums des Sendestarts Ende 2006. Zu diesem Zeitpunkt war er Hörfunkberater und Partner der Medienberatung „coram publico“. Sein „Baby“ hatte er schon 1996 verlassen, aus Frust darüber, dass die Radio Hamburg-Gesellschafter ihn nicht zum Geschäftsführer ernannt hatten, wie er mir später anvertraute. Er wechselte 1996 als Programmdirektor zum niedersächsischen „Radio ffn“, hatte dort erfolgreiche Jahre, wurde gleichzeitig ein begehrter Referent und Diskutant bei vielen Medienveranstaltungen. Beim „Radio Day“ in Köln trafen wir uns wieder, verstanden uns prima und bauten in der Folge ein freundschaftliches Verhältnis auf, das bis zu seinem überraschenden Tod anhielt, auch wenn wir uns wegen der großen Entfernung nur selten persönlich trafen.

Ich trauere um Rainer Cabanis, er wird mir fehlen.

Top