Medien

Politiker und Huren…

…blasen für „Bild“ zum Angriff gegen Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und die „Sex-Steuer“.

30. März 2010 | „ARD & ZDF sollen auf Werbung verzichten“, fordern heute gleichlautend „Bild“, „Bild.de“, „Bild Mobil“ und „Bild App“ (das ist die iPhone-Applikation mit den vermeintlich exklusiven Inhalten). Weil es allerdings eleganter ist, nicht etwa den eigenen Springer-Vorstand oder Verbandsfunktionäre der Privatsender mit dieser Forderung zu zitieren, suchte „Bild“ nach passenden Äußerungen – mehr oder weniger wichtiger – „Politiker aller Parteien“. Weil „Grüne“ und „Linke“ von „Bild“ ohnehin nur im Skandalfall dem Parteienspektrum zugerechnet werden, durften die ihre Ablehnung gegenüber solchen Vorstößen auch gar nicht erst äußern. Stattdessen werden der „CDU-Medienexperte“ Wolfgang Börnsen und der nordrhein-westfälische SPD-Landtagsabgeordnete Marc Jan Eumann mit ihren Forderungen nach einem Werbeverbot für die Öffentlich-Rechtlichen zitiert.

„Wer Gebühren zahlt, kann auch werbefreies Fernsehen erwarten“, meint in „Bild“ die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und hat auch gleich ein vermeintlich positives Beispiel parat: „Was in Spanien funktioniert, wird ja auch in Deutschland nicht zum Untergang von ARD und ZDF führen.“ Vermutlich hat die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments noch nie in Spanien Fernsehen gesehen, sonst hätte sie sich diese Aussage angesichts des niedrigen Programmniveaus auf der Iberischen Halbinsel wohl eher verkniffen. Außerdem dürfte der FDP-Frau – und der „Bild“-Redaktion – wohl entgangen sein, dass in Spanien das öffentlich-rechtliche Fernsehen unter anderem aus Werbeeinnahmen der Privatsender mitfinanziert wird.

Wahrscheinlicher ist wohl, dass Frau Koch-Mehrin noch ein Hühnchen mit den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland zu rupfen hat. Zum Beispiel wegen eines für sie äußerst peinlichen Beitrags, den das NDR-Medienmagazin „Zapp“ im Juni des vergangenen Jahres während des Europa-Wahlkampfes ausstrahlte. Die „Zapp“-Leute hatten seinerzeit der „Miss Europa“ („Bild“) unangenehme Fragen im Zusammenhang mit deren Präsenzzeiten im Europäischen Parlament gestellt – und die unbeholfenen Antworten auch noch frecherweise gesendet. In Spanien wäre ihr das wohl nicht passiert.

Bleiben noch die „Huren“: Die habe ich nur in den Titel dieses Blogeintrags aufgenommen, weil erfahrungsgemäß mit „Politikern“ alleine keine Leser zu gewinnen sind. Da passte es doch richtig gut, dass „Bild Mobil“ heute meldet: „Huren blasen zum Gegenangriff“. Allerdings nicht gegen ARD und ZDF, sondern gegen angebliche Pläne für eine „Sex-Steuer“.