Medien

Ohrfeigen für öffentlich-rechtliche Radiomacher

Nachdem weitere Mittel zum Ausbau des Digitalradios für ARD und Deutschlandradio gesperrt worden, könnte DAB+ vor dem Aus stehen – oder auch nicht. 

Mediendienst turi2 am 18. Juli 2009

18. Juli 2009. | Der Mediendienst turi2 hat DAB+ schon mal beerdigt – und dieses auch gleich noch optisch eindrucksvoll umgesetzt. Nachdem die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) in dieser Woche die Projektanträge der ARD und des Deutschlandradios zum Digitalen Hörfunk nicht freigegeben hat, geht Peter Turi von einem „Todesstoß“ für das Digitalradio aus. Ganz so weit ist es zwar noch nicht, dennoch wird es immer unwahrscheinlicher, dass deutsche Radiohörer in absehbarer Zeit ihre Lieblingssender über DAB+ empfangen werden.

Die KEF weist in ihrer Pressemitteilung zwar ausdrücklich darauf hin, dass „die vorgesehenen Projektmittel für die digitale Zukunft des Hörfunks nicht gestrichen wurden, sondern für neue Initiativen weiter zur Verfügung stehen.“ In der Begr?ndung für die Ablehnung hagelt es jedoch schallende Ohrfeigen für die öffentlich-rechtlichen Radiomacher, die offenbar ihre Hausaufgaben den gemacht haben: Es gebe weder Abstimmungen mit der Mehrheit der privaten Hörfunkanbieter, noch konkrete Angaben darüber, welche Programminnovationen und Zusatznutzen mit der Einführung von DAB+ verbunden seien.

Zudem konnte die ARD nicht einmal die Gesamtkosten für die geplante Digitalisierung beziffern, während das Deutschlandradio von 163,6 Mio. Euro für den Zeitraum 2009 bis 2020 ausgeht. Bei einer Anerkennung der im Februar 2009 vorgelegten Projektanmeldung hätte die KEF nach eigenen Angaben in der laufenden Gebührenperiode bis 2012 30 Mio. Euro für die ARD und weitere 12 Mio. Euro für das Deutschlandradio freigegeben. Für die nächste Gebührenperiode ab 2013 ging die Kommission von weiteren 300 Mio. Euro für die Digitalisierung aus. Ob diese Mittel tatsächlich benötigt werden, ist nach der vorläufigen Entscheidung der KEF höchst fraglich geworden.

Radio wird wohl vorläufig weiterhin vorrangig über UKW verbreitet werden. Vielen Programmmachern – übrigens auch öffentlich-rechtlichen – ist das ohnehin die liebste Lösung. Weiteren Hintergrund zum Thema gibt’s in dem Beitrag „Klares Jein zum Digitalradio“ bei Hoerfunker.de.

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