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Nun reicht es mit der Symbolik

9. Dezember 2009 | Nikolaus Brender ist jetzt auch noch „Journalist des Jahres“ geworden. Warum eigentlich?

Bis zum 9. November konnten über die Website des „Medium Magazins“  Vorschläge für die „Wahl der Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2009“ in 12 Kategorien wie Politik, Wirtschaft, Kultur usw. eingebracht werden. Wer schließlich unter den vielen Nennungen als „Journalist/in des Jahres“ herausragen sollte, musste gemäß Ausschreibung ganz besondere Bedingungen erfüllen:

Welche(r) Journalist/in – egal welches Fachgebiet, egal welche Position – hat sich im Jahr 2009 besonders verdient gemacht? Wer hat das Thema des Jahres gesetzt? Eine „60-köpfige Jury“ hat sich schließlich „mit großer Mehrheit“ für den nun bald ausscheidenden ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender entschieden. Der habe „mit seinem konsequenten Beharren auf journalistische Unabhängigkeit Zeichen gesetzt, die über den eigenen Sender hinaus auf die ganze Medienbranche ausstrahlen“, heißt es zur Begründung des Votums der Jury. Diese Entscheidung hat indes mit journalistischen Ansprüchen und den ausgeschriebenen Kriterien wenig zu tun – und um die sollte es bei der Wahl des Preisträgers vor allem gehen.

So verwerflich die politischen Ränkespiele um die Besetzung des Chefredakteurpostens in Mainz auch sind und so berechtigt die allgemeine Entrüstung über die Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrats gegen Nikolaus Brender auch sein mag, der „Journalist des Jahres 2009“ war und ist vor allem selbst „Gegenstand“ der Berichterstattung. Mit journalistischen Leistungen hat sich Nikolaus Brender in diesem Jahr dagegen nicht hervorgetan, weder persönlich, noch mit den von ihm verantworteten Programminhalten des ZDF. Vielmehr sind die Mainzer in den vergangenen Monaten wiederholt mit journalistischen Fehlleistungen und peinlichen Pannen in ihren Informationssendungen aufgefallen.

So wurde am 16. Oktober für das „heute-Journal“ eine Pressemitteilung von „NDR Info“ zum Thema HSH Nordbank einfach „nachgedreht“, ohne die Rechercheleistungen der Kollegen aus Hamburg auch nur zu erwähnen. Knapp drei Monate zuvor berichteten die „Mainzelmänner“ über die Sorgen eines älteren Ehepaares um deren Hund, der zuvor ein kleines Mädchen angefallen hatte. Das junge Opfer der Hundeattacke wurde in dem Bericht dagegen ignoriert.

Besonders peinlich – zum Auftakt des Prozesses gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk in der vorvergangenen Woche wurde Sobibor in den „heute“-Nachrichten des „ZDF-Morgenmagazins“ als „polnisches Vernichtungslager“ bezeichnet. Nach Protesten der polnischen Botschaft, folgte am Tag danach an gleicher Stelle zumindest eine Entschuldigung für den schlimmen journalistischen Fauxpas.

Verantwortlich für solche Fehlleistungen ist letztlich der Chef – und das ist Nikolaus Brender. Eine so hohe journalistische Auszeichnung hat er schon deswegen nicht verdient.. Nun reicht es mit der Symbolik in Sachen Brender. Zunächst erhielt er im Vorweg der ZDF-Verwaltungsratsentscheidung den „Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus“, jetzt wird er auch noch als „Journalist des Jahres“ vom „Medium Magazin“ ausgezeichnet. Vielleicht sollten sich Juroren die viel zitierte Friedrichs-Aussage in Erinnerung rufen, bevor sie das nächste Mal den vermeintlich Besten aus ihren Reihen würdigen: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“

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