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Nun ist aber gut mit dem „Wilhelm“

Im Hause „SPIEGEL“ kann man die Blamage mit dem gefälschten „Wikipedia“-Eintrag zum neuen Wirtschaftsminister offensichtlich nicht verwinden. In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins gibt’s noch einen eher peinlichen Nachklapp.

17. Februar 2009. Shit happens, auch im Journalismus. So wie am 9. Februar bei „SPIEGEL ONLINE“. Genau wie andere deutsche Internetportale und Zeitungen, darunter „Bild“ auf der Titelseite am Folgetag, war ein Redakteur des führenden deutschen Newsportals auf die Namensfälschung im „Wikipedia“-Eintrag zum neuen Wirtschaftsminister Guttenberg hereingefallen.

Auszug aus „Der Spiegel“, 15. Februar 2009

Die Lästereien von Blogger-Guru Stefan Niggemeier und anderen im Netz über den überflüssigen „Wilhelm“ scheint die „SPIEGEL“-Leute dermaßen zu wurmen, dass sie zu einem regelrechten Entschuldigungs- und Rechtfertigungsszenario ausholten. Nach einem umständlichen Erklärungsversuch „in eigener Sache“ bei „SPIEGEL ONLINE“ in der vergangenen Woche, folgte in der aktuellen Ausgabe des gedruckten Magazins eine eigenwillige Abhandlung über „Opfer falscher oder gefälschter Internet-Storys“.

Die gute Nachricht: „SPIEGEL ONLINE“-Redakteure sind nicht die ersten – und ganz sicher auch nicht die letzten, die auf falsche Informationen aus dem Internet – und sonst woher – hereingefallen sind. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, wurden beim führenden deutschen Nachrichtenmagazin gleich vier Redakteure abgestellt, die über drei Seiten in der Ausgabe vom 16. Februar unter anderem darstellen, dass auch die „Neue Presse Wien“ und sogar das „Recherche-Flagschiff ‚New York Times'“ irgendwann einmal falschen Informationen aufgesessen sind. Ein peinliches Beispiel aus dem eigenen Haus für mangelnde Recherche und die weitgehende Übernahme eines fremden Textes, ausgerechnet aus der jetzt so in Zweifel gezogenen freien Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“, wurde dagegen verschwiegen.

Im März 2005 machte ein Artikel über den Völkermord in Ruanda in der Bloggerszene die Runde, den „SPIEGEL ONLINE“ am 24. Februar 2005 als eigenen Hintergrundbericht veröffentlicht hatte. Peinlich war’s schon als beispielsweise Don Alphonso in seinem Blog notierte: „Der Eigenanteil am Beitrag besteht also in den ersten vier Absätzen ausschließlich in einer leichten Umgestaltung des Wikipedia-Textes. Dabei hat er auch eine deutliche Komma-Unsauberkeit übernommen, die dann auch noch die Endkontrolle übersehen hat.“

Auch bei den aktuellen Beispielen haben die „SPIEGEL“-Redakteure lieber vorsortiert, um belegen zu können, dass der selbsternannte Qualitätsjournalismus schließlich doch so seine Vorzüge hat. Erwähnt wird in dem Beitrag, dass in der vergangenen Woche „ein Hacker die Homepage des Fußballsvereins Schalke 04 geentert“ – und dort die fristlose Entlassung des Stürmers Kevin Kuranyi verkündet habe, worauf auch einige Internetportale wie „Bild.de“ und „RP-online“ – zum Glück nicht „SPIEGEL ONLINE“ – zunächst hereinfielen. Dass die Nachrichtenagentur „dpa“ nahezu zeitgleich einen falschen früheren Arbeitgeber des neuen Bundeswirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg vermeldet hatte, passte den „SPIEGEL“-Leuten wohl nicht ins Konzept.

Immerhin liegen jetzt gesicherte Erkenntnisse darüber vor, dass der adlige CSU-Mann nicht auch ‚Wilhelm‘ mit Vornamen heißt – und nun ist es aber auch gut damit.

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