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Nun ist aber Gut(tenberg)

20. Februar 2011 | Dass der Verteidigungsminister wegen der offensichtlichen Schummeleien bei seiner Doktorarbeit seit einer Woche am Medienpranger steht, ist richtig und nachvollziehbar. Weiteres Nachkarren in Guttenbergs Vergangenheit ist dagegen journalistisch unredlich.

Worum geh’s jetzt eigentlich noch? Um die möglichst zutreffende Darstellung der offensichtlichen Schummeleien des Karl Theodor zu Guttenbergs bei seiner Doktorarbeit – oder doch um die vollständige Desavouierung einer in mediale Ungnade geratenen Person des – seit einer Woche verstärkten – öffentlichen Interesses? Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ reichten die öffentlich gemachten Belege für Guttenbergs Mauscheleien offenbar nicht aus, um das Thema in der heutigen Ausgabe (20. Februar) weiterköcheln zu können. Nach dem Motto: „Wer schon bei seiner Dissertation schummelt, muss auch sonst ein schlechter Kerl sein“, begaben sich Redakteure auf die Suche nach vermeintlich schwarzen Flecken in der Vergangenheit des Adelsmanns – und wurden nicht wirklich fündig.

Trotzdem erschien am Sonntag in der „F.A.S.“ der Beitrag „Die Studierstube ist seine Bühne nicht“, der auch bei „FAZ.net“ im Internet zur Verfügung steht. Über Guttenbergs Schulzeit ist darin beispielsweise nachzulesen:

Schon als Schüler am humanistischen Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim war Guttenberg einer, der durch gute Leistungen, aber nicht durch besonderen Fleiß auffiel. Er war froh, wenn die Schule aus war, wenn er reiten oder musizieren konnte. Zwar las er gern, aber Lernstoff zu pauken war seine Sache nicht.

Was wäre eigentlich, wenn bei den hartnäckigen Recherchen in Oberbayern herausgekommen wäre, dass der Adelsspross auf dem Pausenhof häufiger Mitschüler aus dem „Bürgertum“ geschuppst hätte ….? Weil das offenbar nicht der Fall war, müssen sich die beiden Autoren Markus Wehner und Eckart Lohse mit der eigenwilligen Einschätzung begnügen: „Ein Intellektueller ist er nicht.“ Warum? Weil sich Guttenberg „bei der Bundeswehr in Mittenwald zur Überraschung seiner Kameraden und Vorgesetzten gegen den dreimonatigen Fahnenjunker-Lehrgang für Offiziersanwärter, der für Abiturienten vorgesehen ist“, entschieden habe. Und weil er stattdessen „mit den Haupt- und Realschülern einen sechs Monate dauernden Unteroffizierslehrgang“ machte, sei er nun mal kein Intellektueller, schlussfolgern zumindest die „F.A.S“-Autoren.

Weil mit dermaßen schmalbrüstigen Argumenten die vollständige Desavouierung nicht zu bewerkstelligen ist, griffen die Autoren in Archive, um Beweise für Guttenbergs vermeintlich zweifelhaften Lebenslauf anführen zu können. Fündig wurden sie nicht etwa im eigenen Haus, sondern bei „Panorama“. „NDR“-Redakteure hatten vor zwei Jahren anlässlich Guttenbergs Amtsantritt als Bundeswirtschaftsminister für das Politmagazin und die Mediensendung „Zapp“ die Biografie des politischen Aufsteigers genauer unter die Lupe genommen und dabei herausgefunden, dass der auf der eigenen Website dargestellte Lebenslauf deutlich geschönt war – übrigens auch weiterhin ist.

Nur neu sind diese Erkenntnisse über Guttenbergs vermeintliche frühere Karrieren als „Geschäftsführender Gesellschafter der Guttenberg GmbH, München“ oder als „freier Journalist bei der Tageszeitung ,Die Welt'“ eben nicht. Die Schnfärbereien im Lebenslauf des Ministers sind seit zwei Jahren öffentlich bekannt, spielten aber in der Berichterstattung über „Deutschland beliebtesten Politiker“ bislang kaum eine Rolle, auch für die „Frankfurter Allgemeine“ nicht. Guttenberg hat es bis heute nicht einmal für notwendig erachtet, sein Curriculum Vitae auf der eigenen Internetpräsenz zu ändern. Dass solche Belege jetzt für die Berichterstattung erneut „ausgegraben“ werden, ist unredlich – zumal für eine angeblich auf journalistische Qualität bedachte Sonntagszeitung. Und solche Veröffentlichungen sind Steilvorlagen für diejenigen, die vom eigentlichen Thema ablenken wollen: Die Mauscheleien Guttenbergs bei seiner Doktorarbeit und die damit verbundenen Konsequenzen. Darum geht’s jetzt.

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