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Noch kein Song für das Radio

18. März 2010 | „Unser Star für Oslo“ hat bei Musiksendern noch Anlaufschwierigkeiten. Währenddessen boomt bereits der Absatz des Siegertitels im deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest bei „iTunes“ & Co.

Wer in diesen Tagen auf die Website von „Antenne Bayern“ surft, stößt bald auf Lena Meyer-Landrut. Unter „Neuheiten zum Download“ werden gleich drei Titel von „unserem Star für Oslo“ angeboten. Neben „Satellite“, dem Siegertitel des deutschen Vorentscheids für den Eurovision Song Contest, auch „Bee“ und „Love Me“. Mit diesen drei Stücken hatte sich die 18jährige Hannoveranerin am vergangenen Freitag im deutschen Finale gegen ihre Konkurrentin Jennifer Braun schließlich durchgesetzt. Im Programm von Deutschlands erfolgreichstem Radiosender „Antenne Bayern“ mit mehr als 1,2 Millionen Hörern in der Durchschnittsstunde (Media-Analyse 1/2010) ist der Song bislang dagegen kaum zu hören.

Auch die anderen großen deutschen Privatsender verzichten bislang noch weitgehend auf den Einsatz von „Satellite“. Während zurzeit Titel wie „Fight For This Love“ von der Britin Cheryl Cole, „I Like“ von der Amerikanerin Keri Hilson oder „Fire Flies“ von den Synthie-Poppern Owl City bei einzeln Popwellen bis zu 10 mal am Tag laufen, hat Lena Meyer-Landrut trotz starker Präsenz in anderen Medien, mit Fernsehinterviews und zahlreichen Presseberichten, im Radio bislang noch Anlaufschwierigkeiten. Selbst bei ihrem vermeintlichen Heimatsender, dem niedersächsischen „Radio FFN“, läuft das deutsche Siegerlied für Oslo laut Auskunft der Musikredaktion bislang nur sporadisch. Gründe dafür wollte man auf meine Anfrage indes nicht nennen.

„Unser Star für Oslo“ hat noch „Potenzial“ im Radio

Bei den Kollegen in Bad Vilbel, Sitz des hessischen Marktführers „Hit Radio FFH“, hatte man zunächst Jennifer Braun „gefördert“, wie Pressesprecher Dominik Kuhn einräumt. Schließlich kommt die unterlegene Finalistin im deutschen Vorentscheid aus Eltville im eigenen Verbreitungsgebiet. Inzwischen habe man jedoch das „Potenzial“ des Siegertitels durchaus erkannt und will ab sofort „Satellite“ in der Version von Lena Meyer-Landrut verstärkt ins Programm nehmen.

Ein Grund für die bisherige Zurückhaltung der Privatradios mag auch sein, dass sie bei der Vorauswahl des deutschen Beitrags für den Eurovision Song Contest außen vor blieben. „ARD“ und „ProSieben“ hatten insgesamt neun öffentlich-rechtliche Pop- und Jugendwellen in ihr „Auswahlverfahren mit eingebunden“. Doch auch diese Programme halten sich bislang mit Einsätzen des Siegerliedes eher zurück. Lediglich bei „Bayern 3“ und „NDR 2“ ist „Satellite“ inzwischen in der so genannten „Heavy Rotation“ platziert. Die Popwelle des Bayerischen Rundfunks spielte den Titel in den 48 Stunden vor Veröffentlichung dieses Blogeintrags sieben Mal – und damit häufiger als jedes andere Musikstück. Das norddeutsche Vier-Länderprogramm setzte „Satellite“ im selben Zeitraum immerhin fünf mal ein. Die WDR Jugendwelle „1Live“ spielt dagegen zur Zeit lieber die aktuellen Titel von General Fiasco und Gentleman. Die südwestdeutsche Kultwelle „SWR 3“ favorisiert in diesen Tagen die neusten Hits von One Republic und Pink.

Radiomacher könnten erneut einem Trend „hinterherhinken“

Allerdings könnte es sein, dass Deutschlands Radiomacher einem aktuellen Musiktrend einmal mehr „hinterherhinken“. Bei führenden Downloaddiensten wie „iTunes“ und „Musicload“ zahlen Kunden offenbar gern und bereitwillig zwischen 99 Cent und 1,29 Euro um den deutschen Beitrag für Oslo auf ihre Smartphones, MP3-Player oder den heimischen PC herunterladen zu können. Noch mehr – auf beiden Portalen führt Lena Meyer-Landrut gleich mit drei Titeln die aktuellen Single-Charts an. Selbst bei den – von der deutschen Musikindustrie als „illegal“ angesehenen – Billiganbietern aus Russland sind „Satellite“ und weitere Titel des deutschen Finales längst „top rated“.

P.S. Gern hätte ich von „Musicload“ eine Einschätzung zu der außergewöhnlich großen Nachfrage für Titel von Lena Meyer-Landrut in diesem Blogeintrag veröffentlicht. Auf telefonische Anfrage in der laut Impressum zuständigen Pressestelle von „T-Home“ wurde mir von einer Mitarbeiterin zunächst erklärt, dass man nur Fachjournalisten Auskunft geben könne. Schließlich „gestattete“ mir die Dame doch noch eine schriftliche Anfrage per E-Mail „einreichen“ zu dürfen. Ich habe schließlich darauf verzichtet. Erfahrungsgemäß reagieren die „T“-Leute noch langsamer, als die Programmverantwortlichen mancher Radiosender

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