Medien

Nicht ohne mein Smartphone

21. Juni 2015 | Das Smartphone ist auf dem Weg das vorherrschende Empfangsgerät für Nachrichten zu werden. Das ist ein Kernergebnis des Digital News Reports 2015, der in der vergangenen Woche vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford veröffentlicht wurde. Zudem werden Facebook, YouTube oder Twitter für die Vermittlung von Nachrichten immer größere Rollen spielen.

In einigen Ländern haben Social Media Plattformen die Printmedien als Nachrichtenquelle bereits überholt. Wenn’s um den digitalen Konsum von Nachrichten geht, landet Deutschland allerdings auf dem letzten Platz unter den zwölf für diese Digitalstudie untersuchten Länder.

Damit Irrtümer von vornherein ausgeschlossen werden: es geht hier um journalistische Nachrichten, die im Englischen als “News” bezeichnet werden, und nicht etwa um mehr oder weniger belanglose private Mitteilungen bei Facebook, WhatsApp oder Twitter. Dabei werden die Sozialen Medien auch für die Vermittlung von “knallharten” News immer wichtiger. Die – vor allem jungen – Deutschen haben längst Facebook und YouTube als Nachrichtenquellen entdeckt. Twitter kann dagegen in Deutschland auch als Newslieferant nicht überzeugen.

Deutschland ist noch immer Google-Land, auch im Hinblick auf Nachrichten. Rund 40 Prozent aller News werden über Suchmaschinen erreicht. Der Anteil war vor zehn Jahren allerdings schon mal fast doppelt so hoch. Ebenfalls unwichtiger werden die Startseiten von Webportalen. Nur noch 26 Prozent der deutschen Onliner erreichen ihre News direkt über eine Hompage. Dagegen werden Hinweise und vor allem gepostete Links in den Sozialen Medien als Ausgangspunkt für den Konsum digitaler Nachrichten immer wichtiger.  Der immer noch hohe Anteil der E-Mails lässt darauf schließen, dass wir bei den Newslettern gerade so etwas wie eine Renaissance erleben. Immerhin wurde in der vergangenen Woche Tagesspiegel-Ko-Chefredakteur Lorenz Maroldt für seinen Hauptstadt-Newsletter „Checkpoint“ mit dem renommierten Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Die wichtigste Nachrichtenquelle der Deutschen bleibt vorerst noch das Fernsehen (82%) vor den Onlinemedien, die es inkl. Social Media auf 60 Prozent bringen. Das ist in sechs der insgesamt zwölf für diese Studie untersuchten Länder ähnlich: Neben Deutschland sind das Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Japan. Dagegen liegen Onlinemedien in den USA, Australien, Brasilien, Irland, Dänemark und Finnland an der Spitze der bevorzugten News-Ressourcen. Auffallend ist das gute Abschneiden des Radios. Immerhin gaben 50 Prozent der Befragten an, dass sie zumindest gelegentlich aktuelle Informationen aus dem Hörfunk beziehen. Damit stehen die deutschen Radiomacher in diesem Segment gemeinsam mit Irland und Dänemarkt an der Spitze. Ohnehin bevorzugen wir Deutschen vor allem traditionelle Medien, also TV, Radio und Print, wenn es um Nachrichten geht. Bei der Nutzung Digitaler Medien steht Deutschland dagegen an letzter Stelle unter den zwölf Ländern.

Noch ist der Computer (Desktop oder Notebook) mit einem Anteil von 57 Prozent das bevorzugte Empfangsgerät für digitale Nachrichten in Deutschland. Aber auch hierzulande erlangt das Smartphone einen höheren Stellenwert, auch wenn es von 2014 auf 2015 mit zwei Prozentpunkten nur einen moderaten Anstieg gab. In Großbritannien (42%) und den USA (44%) sind iPhone und Co. kurz davor wichtigstes Endgerät für Online-News zu werden. In Dänemark ist das mit einem Anteil von 57 Prozent bereits passiert.

Nic Newman vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford und Verantwortlicher für den Digital News Report 2015 sieht durch diese Untersuchung vor allem zwei Trends nachhaltig bestätigt: (1.) Social Media, die vor allem auf (2.) Smartphones konsumiert werden, erhalten für Nachrichten immer größere Bedeutung. Insofern muss Mobile Media in den Redaktionen Vorrang haben. Statt “Online first” heißt es jetzt “Mobile first!” – aber nicht ohne mein Smartphone.

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