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„Mohammed Al-Durah ist gar nicht tot“

Wie „Bild.de“ der Journalistin Esther Schapira eine falsche Aussage in den Mund legte.

Screenshot aus der ARD-Dokumentation „Der Junge, der Tod und die Wahrheit“

7. März 2009 | Wer am späten Mittwochabend in der ARD die beklemmende Dokumentation „Der Junge, der Tod und die Wahrheit“ gesehen hat, weiß, dass es ernsthafte Zweifel an dem angeblichen Tod des palästinensischen Jungen Mohammed Al-Durah am 30. September 2000 in Gaza gibt. Die Autoren Esther Schapira und Georg M. Hafner gehen aufgrund von Hinweisen, Aussagen und sogar einem biometrischem Gutachten ziemlich sicher davon aus, dass damals unter weltweiter Anteilnahme „offensichtlich ein anderes Kind beerdigt wurde“ – so steht es zumindest in einem am 3. März bei „hr-online“ veröffentlichten begleitenden Beitrag zur TV-Dokumentation. Also war die grausame Szene, die in vielen Teilen der Welt den Hass auf Israel schürte und den damals 12Jährigen Mohammed zum Märtyrer machte, nichts anderes als „eine Propagandalüge der Palästinenser?“ Fest steht das zumindest für „Bild.de“, dem digitalen Ableger des Zentralorgans der Deutschen.

Damit die Geschichte auch vollends in die offenbar gewünschte – antipalästinensische – Richtung geht, wurde der Fernsehjournalistin Esther Schapira einfach eine falsche Aussage in den Mund gelegt: „Schapira überzeugt: Mohamed Al-Durah ist gar nicht tot“, hei?ß es in dem am 5. März bei „Bild.de“ veröffentlichen Beitrag. In einer Bildunterschrift zu dem Artikel geht das Springer-Portal sogar noch dreister vor: „TV-Journalistin Esther Schapira (48) deckte nun auf, dass es sich bei den Fernseh-Aufnahmen lediglich um palästinensische Propaganda handelt und der kleine Mohammed somit nicht ums Leben kam.“

Das sind frei erfundene Behauptungen, die die renommierte Journalistin Esther Schapira so niemals getroffen hat, weder in der TV-Dokumentaion selbst, noch in Interviews oder Statements. In einem am 4. März von „FAZ.NET“ veröffentlichten Interview sagte sie zu der vermeintlichen „Propagandalüge der Palästinenser“: „Mir war die Fälschungsthese zunächst suspekt, auch wenn sie auf viele offene Fragen plausible Antworten lieferte. Aber ob es wirklich eine Fälschung war, können wir auch heute noch nicht mit Sicherheit sagen.“

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