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Menschenansammlungen meiden

Die irrationalen Hinweise des Auswärtigen Amtes nach den erneuten Bombenanschlägen auf Mallorca werden zwar von vielen Medien bereitwillig verbreitet – nur kann niemand etwas damit anfangen.

10. August 2009. Ganz ehrlich – ich bin heilfroh, dass wir in diesem Sommer die schönsten Wochen des Jahres nicht wie schon viele Male zuvor auf Mallorca verbringen. Spätestens nach den erneuten Bombenanschlägen vom Sonntag wäre die unbeschwerte Urlaubsstimmung sicherlich dahin. Die Ferien nur nach dem Motto zu verbringen „uns wird’s hoffentlich nicht treffen“, wäre vermutlich ein Grund dafür, die Reise zu stornieren – koste es, was es wolle. Und es würde kosten: Weil das Auswärtige Amt statt einer offiziellen Reisewarnung, die zur kostenlosen Stornierung oder Umbuchung berechtigt, nur völlig irrationale Hinweise verbreitet, wären happige Stornogebühren für die Pauschalreise fällig.

Ende Juli waren bei einem Bombenanschlag im Ferienort Palma Nova auf Mallorca zwei Polizisten ums Leben gekommen. An diesem Sonntag wurde die Inselhauptstadt Palma zum Ziel von drei Anschlägen. Diesmal gab’s zum Glück keine Opfer, weil die Terroristen zuvor telefonisch die Anschläge angekündigt hatten. Was soll man als Urlauber in einer solch heiklen Situation tun? „Den Anweisungen der örtlichen Sicherheitsbehörden Folge leisten und sich umsichtig zu verhalten, insbesondere Menschenansammlungen zu meiden“, ruft das Auswärtige Amt auf seiner Website auf.

Der vermeintlich kluge Ratschlag wurde noch am Sonntag über Nachrichtenagenturen und große Newsportale wie Spiegel Online oder Bild.de im Internet verbreitet und findet sich am Montag in Zeitungen sowie Radio- und Fernsehnachrichten wieder. Völlig unreflektiert.

Soweit bislang erkennbar, fragt niemand danach, wie Urlauber mit dem Hinweis „Menschensammlungen meiden“ mitten in der Hochsaison auf Mallorca eigentlich umgehen sollen? Vermutlich mit dem eigenen Segelboot aus Deutschland unter Mitnahme ausreichender Verpflegung anreisen, um sich dann in einem einzelstehenden Ferienhaus irgendwo weitab von Touristenströmen zu verbarrikadieren. Anders sind wohl kaum Menschenansammlungen am Flughafen, in Hotels, Restaurants, Supermärkten und schon gar nicht am „Ballermann“ zu vermeiden. Nein, ein echter Mallorca-Fan wird sich von solchen Beeinträchtigungen seinen Ferienspaß nicht vermiesen lassen, meldete am Montagmorgen die Nachrichtenagentur „dpa“:

Experten rechnen allerdings kurzfristig nicht mit großen Auswirkungen auf die Reiselust der Deutschen. Auch nach einem ersten ETA-Anschlag auf Mallorca, bei dem am 30. Juli zwei Polizisten getötet worden waren, war der Besucherstrom nicht abgerissen.

Bleiben noch die vom Auswärtigen Amt den Urlaubern so dringend nahegelegten „Anweisungen der spanischen Sicherheitsbehörden“. Die Polizei habe „alles im Griff“ berichtete das deutschsprachige „Inselradio“ auf Mallorca wiederholt am Sonntag, „denn die Polizei weiß, wo die Bomben explodiert sind“. Beruhigend klingt das nicht…

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