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Mensch Meyer – Folge 2

„Bild“ und Kerner übernehmen die Öffentlichkeitsarbeit für einen aussichtslosen Kandidaten.

Laurenz Meyer – Screenshot aus ZDF-Mediathek, Kerner, 28.05.2009

29. Mai 2009 | Bei Johannes B. Kerner durften schon zeitweise übergewichtige Fernsehfrauen ungehindert schleichwerben – so wie Andrea Kiewel für die „Weight Watchers“ oder Ehefrauen von TV-Kollegen ihre Bücher vorstellen – so wie Carol Kloeppel, Gattin von RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, ihr literarisches Grundlagenwerk zur Völkerverständigung „Dear Deutschland“. J

etzt hat Kerner gemeinsam mit „Bild“ auch noch die Öffentlichkeitsarbeit für Laurenz Meyer übernommen. Gemeint ist der Meyer, der im März von seinen „Parteifreunden“ in Nordrhein-Westfalen auf den vermutlich aussichtslosen 35. Platz auf der Landesliste für die Bundestagswahl verbannt wurde. „Bild“ hatte seinerzeit den – noch wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kurzerhand zum „Gewinner“ erklärt, weil: „jetzt will Meyer seinen Wahlkreis Hamm-Unna direkt holen.“ Auch bei Kerner gab sich der Ex-CDU-Generalsekretär am späten Donnerstagabend siegesgewiss: „Außerdem habe ich mir wirklich vorgenommen, den Wahlkreis zu gewinnen.“

Kerner hatte Laurenz Meyer angeblich in seine Plauderrunde eingeladen, weil der „ganz schön Schlagzeilen gemacht“ habe. Gemeint war damit Meyers Attacke auf die Urlaubspläne seiner 612 Kollegen im Bundestag, die „Bild“ Tage zuvor verbreitet hatte:

„Eine normale Sommerpause des Bundestages darf es in diesem Jahr nicht geben. Das w?rde auf dem Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung kein Bürger verstehen. Wir dürfen auch nicht f?r volle 3 Monate alles Handeln der Regierung überlassen.“

Daraus hatte „Bild“ die Schlagzeile gebastelt „Wirtschafts-Experte fordert Urlaubs-Stopp für Politiker!“, die prompt von Nachrichtenagenturen und vielen anderen Medien aufgegriffen wurde. Bei seinen Kollegen im Bundestag dürfte sich Laurenz Meyer in den vergangenen Tagen wohl einige Rüffel eingefangen haben. Zumindest versuchte er bei Kerner seine Urlaubsattacke zu modifizieren: „Mir ging’s ja hauptsächlich darum, dass wir jetzt schon Termine festsetzen für mögliche Sitzungen im Sommer.“

In Sachen Bundestagswahlkampf ging’s Meyer bei Kerner vor allem darum, endlich mal klarzustellen, dass seine Verbannung auf einen vermutlich aussichtslosen Listenplatz wohl eher geografische Gründe hat: „Hamm gehört ja eigentlich nur am Rande zum Ruhrgebiet. Die Kernstädte im Ruhrgebiet, die machen das unter sich aus. Diese Kungelei fand ich nicht besonders prickelnd.“

Es könnte allerdings auch sein, dass Meyers „Parteifeinde“ bei der Nominierung immer noch dessen „Kungeleien“ im Kopf hatten, die vor viereinhalb Jahren zu seinem erzwungenen Rücktritt als CDU-Generalsekretär führten: Kurz vor Weihnachten 2004 war bekannt geworden, dass er von seinem früheren Arbeitgeber, RWE, Billigstrom und ungerechtfertigte Bezüge – nach „Spiegel“-Angaben – in Höhe von mindestens 130.000 Euro erhalten hatte. Doch das ist längst kein Thema mehr – zumindest nicht für „Bild“ und Kerner.

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