Medien

Mehr oder weniger „volle Programme“ für das iPhone

8. April 2010 | Ein Vergleich der Applikationen von „TV Spielfilm“, „TV Movie“ und „TV Digtal“ mit überraschendem Ergebnis.

Kaum hatte ich am Dienstag mein Lob für die Applikation der „TV Spielfilm“ ins Netz gestellt, erreichte mich eine Pressemitteilung der Axel Springer AG: „Das volle Programm: TV DIGITAL startet App für das iPhone.“ Für mich ist das ein guter Grund, die inzwischen von den drei Großverlagen angebotenen Apps ihrer 14täglich erscheinenden Programmzeitschriften „TV Spielfim“ (Burda), „TV Movie“ (Bauer) und „TV Digital“ zu vergleichen.

Verlage müssen angesichts sinkender Auflagen und einbrechender Anzeigenumsätze bei den Printausgaben nach Alternativen suchen. Das gilt auch für die ehemals so erfolgreichen „Programmies“. Von den 14täglich erscheinenden Magazinen aus den Häusern Burda, Bauer und Springer wurden 2009 durchschnittlich zwischen sechs – („TV Spielfilm“) und 14 Prozent („TV Digital“) weniger Hefte verkauft, als noch im Jahr zuvor.

Aus den früheren „Cash Cows“ der Medienkonzerne werden allmählich Sorgenkinder. Das liegt unter anderem an der immer stärkeren Konkurrenz durch Billighefte, zum Teil aus den eigenen Häusern. Zudem erschweren Gratisbeilagen in Tageszeitungen und Zeitschriften wie dem „Stern“ den Absatz der aufwendig gestalteten Magazine. Insbesondere jüngere Fernsehzuschauer informieren sich ohnehin lieber – kostenlos – im Internet oder auf ihren Smartphones über das, was demnächst im TV läuft.

Die iPod-Applikationen der drei Großverlage bieten umfangreiche Übersichten zu fast allen in Deutschland verfügbaren Fernsehprogrammen. Dabei werden die Programmlisten jeweils vollständig dargestellt, was in den Printausgaben schon aus Platzgründen längst nicht immer möglich ist. In vielen Fällen gibt’s neben den Eckdaten der TV-Sendungen (Titel, Sendezeit) auch ergänzende Informationen zu den Inhalten sowie teilweise auch Bildmaterial. Der Zeitraum für die abrufbaren Programminformationen liegt zwischen drei Tagen bei „TV Digital“ und 14 Tagen bei „TV Movie“, allerdings zu unterschiedlichen Tarifen. Die hier verglichenen Applikationen sind ausschließlich über Apples App Store zu beziehen.

Ein Vergleich aus Anwendersicht

Dabei handelt es sich keinesfalls um einen aufwendigen „Labor-Test“, sondern um einen aus Anwendersicht erstellten Vergleich der Applikationen von „TV Spielfilm“, „TV Movie“ und „TV Digital“. Der Aufruf der Apps erfolgte am Mittwochnachmittag (7. Apirl 2010) im Zeitraum zwischen 14.00 und 18.30 Uhr. Für die Einschätzungen und den Vergleich wurden insbesondere folgende Kriterien herangezogen:

  • der Preis für die App sowie etwaige weitere Kosten für die Nutzer
  • der subjektiv empfundene Bedienungskomfort
  • Umfang der enthaltenen TV-Programme
  • der Zeitraum, für den die Programminformationen zur Verfügung gestellt werden
  • Inhalte, Darstellung und Aktualität von Programminformationen*
  • weitere Inhalte der Apps wie zum Beispiel die Vorstellung von neuen Kinofilmen etc.

*Für den Vergleich der inhaltlichen Darstellung und Aktualit?t der Informationen habe ich diese Sendungen ausgewählt:

  • Die Live-Übertragung des Fußballspiels Manchester United gegen Bayern München, Rückspiel im Viertelfinale der UEFA Champions League, im Hinblick auf aktuelle Informationen zu dem Spiel („Sat.1“, Mittwoch, 7. April 2010, 20.15 Uhr)
  • das ARD-Magazin „Kontraste“ im Hinblick auf Informationen über die geplanten Inhalte der Sendung („Das Erste“, Donnerstag, 8. April 2010, 21.45 Uhr)
  • und den US-Spielfilm „Ein Chef zum Verlieben“, im Hinblick auf Begleitinformationen wie Inhaltsbeschreibung und Darsteller sowie zur Verfügung gestelltes Bildmaterial („RTL“, Sonntag, 11. April 2010, 20.15 Uhr).

„TV Spielfilm“: kostenlos und gut

Um es vorwegzunehmen: die von Burda immer noch kostenlos im App Store zur Verfügung gestellte Applikation werde ich selbst weiterhin nutzen. Mich hat „TV Spielfilm“ hinsichtlich nahezu aller Kriterien am meisten überzeugt. Bei dem übersichtlichen Aufbau können Programmplätze, Sender und einzelne Sendungen schnell aufgerufen werden. Die Programminformationen für über 100 Sender, einschließlich Sky und allerlei digitaler Programme, von denen ich zum Teil bislang nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt, stehen für insgesamt sieben Tage zur Verfügung. Zum Champions League Spiel der Bayern wurden aktuelle Informationen geliefert. Für den US-Spielfilm am Sonntag standen neben Hinweisen zum Inhalt und der Besetzung auch 27 Szenenbilder in ordentlicher Qualität zur Verfügung, allerdings ohne Beschreibungen bzw. Bildunterschriften. Dagegen fehlten Hinweise zu den geplanten Inhalten des ARD-Magazins „Kontraste“ am Donnerstagabend. Als einzige der drei Applikationen bringt „TV Spielfilm“ neben den Informationen zu Fernsehprogrammen zusätzlich auch Kurzbeschreibungen zu den jeweils aktuellen Kinostarts sowie die „Kino-Charts“, ebenfalls mit kurzen Beschreibungen.

„TV Movie“: kein „Movie Star“ für diese App

Die Basisversion der „TV Movie-App“ aus dem Hause Bauer kostet 79 Cent. Nach dem Download aus Apples App Store ist zunächst eine Registrierung einschließlich E-Mail-Bestätigung erforderlich, bevor Programminformationen abgerufen werden können. Die gibt es für einen Zeitraum von einer Woche. Wer sich einen Überblick über das Programm der kommenden 14 Tage von mehr als 200 Sendern verschaffen will – oder Features wie die „Merkliste“ nutzen möchte, wird erneut zur Kasse gebeten. Die „Flatrate“ kostet 1,59 Euro für zwei Monate oder 4,99 Euro für ein Jahr und soll laut Ankündigung im App Store unter anderem „Bildergalerien für zahlreiche TV Highlights“ beinhalten. Im Falle des Spielfilms „Ein Chef zum Verlieben“, den RTL am Sonntagabend zeigt, sind das aber gerade einmal vier „Bildchen“ in mieser Qualität. Dafür waren Infos über Darsteller und Inhalte der Komödie vorhanden. In Sachen Bayern-Spiel sorgte die „TV-Movie-App“ dagegen für Verwirrung. Nach Aufruf des Sendeplatzes hieß es zunächst: „Welches Spiel übertragen wird, entscheidet sich nach den Achtelfinal-Rückspielen am 17.3.2010.“ Das lag zu diesem Zeitpunkt allerdings schon drei Wochen zurück. Nach „Touch“ auf den Info-Button gab’s als „Untertitel“ schließlich doch noch die Information, dass im „Viertelfinale Manchester United gegen FC Bayern M?nchen“ antreten wird. Die „Dauer“ der Übertragung wurde dabei mit „185 Minuten“ angegeben – die „Originaldauer“ mit „13 Minuten“. (Zum Glück wurde das Spiel entgegen dieser „Ank?ndigung“ nicht vorzeitig abgebrochen, sonst wäre Bayern ja ausgeschieden). Welche Themen „Kontraste“-Moderatorin Astrid Frohloff am Donnerstagabend ihren Zuschauern präsentieren wird, wurde am Tag zuvor in der „TV Movie-App“ nicht verraten, selbst nicht in der vermeintlichen Premium-Version gegen Zuzahlung. Auf der „stationären“ Internetseite der Programmzeitschrift waren diese Infos dagegen verfügbar – kostenlos. Auch wenn in der App neben den Programminformationen ein ganz pfiffig gestaltetes „Movie Quiz“ angeboten wird, hat sich Bauer für diese Applikation keinen „Movie Star“ verdient. Unter Berücksichtigung der so genannten „Flatrate“ kam ich gar auf die Wortspielerei: „Bauer(n)fängerei auf dem iPhone“.

„TV Digital“: „Rumpfprogramm“ für das iPhone

Als ich Informationen zu dem US-Spielfilm am Sonntagabend in Springers neuer Applikation bereits am Mittwochnachmittag abrufen wollte, war das weder über die Navigation nach Sendern oder Programmtagen möglich, noch führte die Suchfunktion zum Ziel. Grund: die Programminformationen stehen jeweils nur für drei Tage („Heute“, „Morgen“ und „Übermorgen“) zur Verfügung – und das auch nur für rund 40 Sender. Vermisst habe ich vor allem die so genannten „Dritten Programme“ der ARD, die allesamt nicht in der App enthalten sind. Das ist im Vergleich zu den beiden Konkurrenten viel zu wenig. Nach dem Download zum Preis von 1,59 Euro startet die Applikation sofort. Dabei erscheint zunächst ein Navigationsfenster, über das die gewünschten Programminformationen recht umständlich zu erreichen sind. Bei Aufruf der Programmübersicht „jetzt“ erwartet man eigentlich, dass alle Fernsehsendungen angezeigt werden, die in diesem Augenblick laufen oder gerade beginnen. „TV Digital“ listete jedoch am Nachmittag Sendungen ab morgens 9 Uhr ohne erkennbare Zusammenhänge auf. Dafür verriet die App am Mittwochnachmittag, dass abends ab 20.15 Uhr bei „Sat.1“ die Bayern in Manchester antreten. In Sachen „Kontraste“ gab’s dagegen keine Hinweise zu den geplanten Themen der kommenden Sendung am Donnerstagabend. Die „TV Digital App“ muss noch erheblich „nachgerüstet“ werden. Das angekündigte „volle Programm“ erwies sich bei näherem Hinsehen doch eher als „Rumpfprogramm“ für das iPhone.

Fazit: Die beste Programmie-App gibt’s zum Nulltarif

Die kostenlose Applikation von Burdas „TV Spielfilm“ ist klarer Sieger dieses Vergleichs. Sie ist leicht zu bedienen, verfügt über alle notwendigen Sender und bietet neben den TV-Programmen zusätzlich noch Infos zu Kinostarts. Dahinter folgt die App von „TV Movie“, die zwar mit 200 Programmen die größte Auswahl bietet, in Sachen Aktualität der Informationen allerdings unzuverlässig erscheint. Zudem stört bei Bauers Applikation die zusätzlich erhobene „Flatrate“, für die es kaum erkennbare Mehrleistungen gibt. Einen eher schwachen Eindruck macht Springers „TV Digital App“, weil sie lediglich rund 40 Sender zur Verfügung stellt – und das auch nur für drei Tage. Zudem ist die Navigation recht umständlich.

Ein Nachteil fiel bei allen Apps auf: Vorausgegangene Sendetage können nicht mehr aufgerufen werden. So kann es passieren, dass nach Mitternacht Informationen über einen gerade laufenden Spielfilm nicht mehr zur Verfügung stehen, weil er noch am Tag zuvor startete.

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