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Malle und die Mainzelmänner

12. August 2009 | Der ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen legte sich bei „Markus Lanz“ mit eigenwilligen Ratschlägen für einen vermeintlich sicheren Urlaub auf Mallorca schwer ins Zeug. 

Mallorca hat’s den Mainzelmännern offenbar angetan. Kein anderes deutschen Fernsehprogramm legt sich für die Touristeninsel so ins Zeug wie das ZDF. Ob bei „Wetten, dass…?“, im „Flirtcamp“ oder in PR-Beiträgen für den deutschen Immobilienmakler Matthias Kühn – „Malle“ wird vor allem als Refugium voller Lebenslust und unbeschwerter Urlaubsfreude präsentiert. Wenn die heile Welt auf der Baleareninsel durch bedrohliche Nachrichten doch mal ins Wanken gerät, melden sich sogar ZDF-Obere höchst persönlich in Sachen Imagepolitur für die Insel zu Wort. So zum Beispiel der stellvertretende Chefredakteur Elmar Theveßen am späten Dienstagabend in der Talkrunde von Markus Lanz. Dort sollte der laut Lanz „salopp ausgedrückt: Terrorismusexperte“ gemäß Sendungsankündigung die Lage auf Mallorca nach den erneuten Bombenanschlägen vom vergangenen Sonntag „analysieren“. Aus der anfänglich durchaus sachlichen Analyse entwickelte sich indes ein PR-Einsatz für die Insel.

Der Reihe nach: Zunächst äußerte Theveßen, dass sich die Sicherheitslage auf Mallorca für Touristen nicht einschätzen ließe und deutsche Sicherheitsbehörden weitere Anschläge auf der Insel nicht ausschließen könnten. Auf die spätere Frage von Markus Lanz, ob er denn „jetzt“ auf Mallorca Urlaub machen würde, kam postwendend die Antwort „Jederzeit“. Theveßen hatte jetzt wieder die Rolle des stellvertretenden Chefredakteurs eingenommen, der offenbar die Interessen des Senders – und nicht der Zuschauer vertritt. Anders lässt sich seine Begründung pro Mallorca-Urlaub, gespickt mit Nonsens-Ratschlägen und Widersprüchen, wohl kaum interpretieren:

„Ich glaube, man kann problemlos auf Mallorca Urlaub machen, wenn man bestimmte Regeln jetzt berücksichtigt. Zum Beispiel, dass man Menschenansammlungen jetzt vermeidet. Ein Strandurlaub oder in den Bergen wandern gehen oder Fahrradfahren und ähnliches ist überhaupt kein Problem. Ich glaube, dass es trotzdem noch keine Entwarnung geben kann. Das hängt eben damit zusammen – wir wissen noch zu wenig, was wirklich da gerade vorgeht. Sind es zum Beispiel Bomben am Sonntag gewesen, die schon vor Tagen dort platziert wurden? Haben also die Attentäter die Insel vielleicht doch verlassen? Wenn sie die Insel noch nicht verlassen haben, dann deutet vieles darauf hin, dass sie lokale Unterstützung haben. Das würde mir dann wirklich Sorgen machen, als Tourist. Weil das würde bedeuten, dass zu jeder Zeit an jedem Ort, auch mit der Unterstützung von vor Ort Anschläge verübt werden können. Noch mal – eher Touristen, als Koleteralschäden. Ich meine die Tour nach Palma de Mallorca möglicherweise. Ich meine auch eine große Veranstaltung irgendwo – aber ich habe kein Problem einen sehr schönen Urlaub auf Mallorca zu verleben.“

Möglicherweise liebt Theveßen ja die Gefahr. Tourismus-Professor Born hielt es zumindest für ziemlichen Blödsinn, den der ZDF-Experte da zuvor von sich gegeben hatte, was Born gegen Ende der Runde zwar höflich, aber dennoch unmissverständlich klarstellte:

„Größere Menschenansammlungen ist genau das, was die ETA nie gemacht hat. Größere Menschenansammlungen – da passt der Hinweis für Kabul und Bagdad, aber nicht dafür.“

Womit der Tourismusexperte den Terrorismusexperten verbal auf Kreuz gelegt hatte. Auf die dürftigen Äußerungen der aus Mallorca zugeschalteten Gesprächspartner, Schlagersternchen Jürgen Drews und ZDF-Reporter Thorsten Schaubrenner, kann an dieser Stelle nicht zuletzt aus Zeitgründen verzichtet werden. Schließlich starten wir in drei Tagen in den Urlaub. Diesmal geht’s übrigens nicht nach „Malle“ – das steht allerdings schon seit Monaten fest.