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Liebe Antenne, du musst jetzt ganz tapfer sein

Sinkende H?rerzahlen und Einbr?che bei den Werbeums?tzen – die ehemals erfolgsverw?hnte? „Antenne Bayern“ scheint auf Talfahrt zu sein. Dazu wird die Konkurrenz im bayerischen Äther künftig noch härter:? Ex-Antenne-Star Stephan Lehmann sendet ab Montag bei „Bayern 1“.

8. März 2009. Diesmal fielen die Zeugnisse für den bisherigen Primus auf dem deutschen Radiomarkt eher bescheiden aus. „Antenne Bayern“ musste bei der am vergangenen Mittwoch veröffentlichen Media-Analyse (MA Radio I/2009) deutliche Verluste registrieren und zählte aus Sicht der Mediendienste zu den „größten Verlierern“.

Stephan Lehmann | Bild: BR

Noch schlimmer für die Ismaninger Radiomacher dürfte aber sein, dass ausgerechnet die beiden direkten Konkurrenten zulegten. Zwar ist der Abstand zu „Bayern 3“, der Pop- und Rockwelle des Bayerischen Rundfunks (596.000 Hörer in der Durchschnittsstunde), immer noch stattlich, dafür überflügelte „Bayern 1“ mit einer Mixtur aus Oldies, Schlager und vielen Regionalinformationen die „Antenne“. „Bayern 1“ ist jetzt mit deutlich über einer Million Hörer pro Durchschnittsstunde die Nummer 1 – nicht nur im Freistaat, sondern bundesweit. Der positive Trend für das öffentlich-rechtliche Landesprogramm könnte weiter anhalten – ab Montag sendet dort Ex-Antenne-Star Stephan Lehmann. Schon seit Tagen wird Lehmanns öffentlich-rechtliche Premiere im Programm von „Bayern 1“ mit Trailern, in Moderationen und Interviews heftig beworben. Kein Wunder – der 46jährige zählt zweifelsohne zu den bekanntesten und profiliertesten Hörfunkmoderatoren in Bayern. Rund 20 Jahre saß und stand er für „Antenne“ am Mikrofon, zudem ist er seit 10 Jahren Stadionsprecher des FC Bayern.

Stephan Lehmann ist längst nicht der erste und einzige bekannte Moderator, der den Privatsender in Richtung Bayerischer Rundfunk verließ. Zwischen 2007 und September 2008 sendete die ehemalige Antenne-Vorzeigefrau und ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein bei „Bayern 1 am Vormittag“. Stefan Parrisius, der sich mit unkonventionellen Talksendungen bei „Antenne“ einen Namen machte, moderiert inzwischen bei „Bayern 2“ die Sendung „Tagesgespräch“. Schließlich heuerte im vergangenen Jahr der frühere Antenne-Nachwuchsmoderator Marcus Fahn bei „Bayern 3“ an und sorgt dort als Hauptmoderator der „Frühaufdreher“ für steigende Hörerzahlen am Morgen.

Aderlass bei den Moderatoren

Der Aderlass an bekannten und profilierten Moderatoren mag ein Grund dafür sein, dass bei „Antenne Bayern“ die Hörerzahlen auf Talfahrt sind. Wer heute nach einem „Moderator bei Antenne“ fragt, bekommt häufig nur „Wolfgang Leikermoser“ zur Antwort, die meisten anderen heutigen Radiomacher in Ismaning sind beim breiten Publikum weitgehend unbekannt. Leikermoser, der „Veteran“ am Mikrofon ist denn auch der einzige, der während seiner Frühsendung „Guten Morgen Bayern“ für einigermß?en stabile Hörerzahlen sorgt.

Am Vormittag und Nachmittag, wo früher Katrin Müller-Hohenstein (KMH) und Stephan Lehmann sendeten, gab’s laut Einzelstundennachweis in der Media-Analyse zum Teil herbe Rückgänge der Zuhörerschaft. Lehmann wurde zuletzt bei „Antenne Bayern“ nur noch am Sonntag eingesetzt – das war vermutlich ein Fehler.

Dennoch gibt sich die „Antenne“-Geschäftsführung in einer am Mittwoch verbreiteten Pressemitteilung optimistisch: „Für unsere Kunden bieten wir bei den 14- bis 49-Jährigen in der Durchschnittsstunde 748.000 Hörer, Bayern 3 erreicht in dieser Zielgruppe gerade mal 423.000 Hörer“, ließ sich Karlheinz Hörhammer zitieren. Mit „Kunden“ meint der Vorsitzende der „Antenne“-Geschäftsführung dabei die Werbetreibenden.

Allerdings sind die Umsätze des bayerischen Privatsenders mit Hörfunkwerbung – im Gegensatz zum allgemeinen Trend in der Radiobranche – seit geraumer Zeit deutlich rückläufig. Im Jahr 2008 sackte der Bruttoumsatz bei „Antenne Bayern“ um 11,1% gegenüber 2007, während die Radiobranche insgesamt ein Plus von 4,5% verzeichnet. Noch schlechter sieht’s zu Beginn des neuen Jahres aus. Während Hans-Dieter Hillmoth, Hörhammers Kollege beim hessischen „Hit Radio FFH“, Mitte Februar in einer Pressemitteilung frohlockte: „Radio ist der Gewinner der Wirtschaftskrise„, mussten die Bayern im Januar erneut spürbare Umsatzverluste hinnehmen.

Im Vergleich zum Januar 2008 gingen die aus der Hörfunkwerbung generierten Umsätze bei „Antenne Bayern“ im ersten Monat dieses Jahres um 11,5% zurück, branchenweit stiegen sie indes um 5,5%. Profitiert haben davon insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender, die fast um 15% zulegten. Programme wie „Bayern 1“ und „Bayern 3“ könnten für „Antenne Bayern“ bald zusätzliche Konkurrenten werden, nicht nur bei der Jagd um Einschaltquoten, sondern auch bei der Generierung von Werbeumsätzen.

Angesichts dieser Entwicklung erinnert sich der Vorsitzende der Antenne-Geschäftsführung und frühere Marketingchef von „R.SH“ möglicherweise an den Slogan, den der schleswig-holsteinische Privatsender zum Sendestart vor bald 23 Jahren in Richtung des damals vermeintlich übermächtigen öffentlich-rechtlichen Konkurrenten publikumswirksam verbreiten lie?: „Lieber NDR, Du musst jetzt ganz tapfer sein“. Karlheinz Hörhammer ist lange genug in der Radiobranche, um zu wissen, dass sich die Zeiten fr ihn und seinen Sender wieder bessern können. Bis dahin heißt es: „Liebe Antenne, du musst jetzt ganz tapfer sein.“

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