Medien

„Längst spielt die Musik im Internet“

Einen Tag vor Ausgabe der Radiozeugnisse am Mittwoch gibt’s einige Verwirrung über die Herkunft angeblich neuer Hörer.

3. März 2009. Gut eine Woche bevor die „Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse“ am Mittwoch (4. März) offiziell die Frühjahrszeugnisse für die deutschen Radiosender veröffentlicht, konnte Dieter K. Müller, Vorstand Radio bei der „ag.ma“, schon mal positive Nachrichten für die Branche vermelden: „Die Radiosender gewinnen Hörer – besonders in jungen Zielgruppen“, lautete die Überschrift der am 25. Februar verbreiteten Pressemitteilung. Laut dieser Vorabmeldung haben Deutschlands Hörfunker im Vergleich zur zuletzt veröffentlichten MA-Radio im Sommer 2008 „über 300.000 tägliche Hörer hinzugewonnen“. Müller kommt zum Schluss „Davon, dass die Hörer ins Internet abwandern, kann also gar keine Rede sein.“

Radio-Experten im Widerspruch – Hans-Dieter Hillmoth vs. Dieter K. Müller – Bildquellen: Radioszene und ARD Werbung Sales & Services

Vermutlich doch. Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor des hessischen „Hit Radio FFH“, hatte kurz zuvor, am 17. Februar, über die Pressestelle seines Senders verbreiten lassen, dass es „jeden Monat allein bei der Radio/Tele FFH zwei Millionen Nutzer“ des Internetangebots seines Senders gebe. Hillmoth, im „Nebenjob“ Vizepräsident des Privatradioverbands „VPRT“, sieht ohnehin die Zukunft des Hörfunks im Internet und schießt inzwischen verbal scharf gegen weitere Digitalradio-Experimente. In der Pressemitteilung heißt es dazu: „FFH-Chef Hillmoth ist die dauernde Diskussion über ein mögliches terrestrisches Digitales Radio ja oder nein leid: ‚Es würde mich wundern, wenn das klappen würde – denn längst spielt die Radio-Musik im Internet.'“

Auch Christiane Korch, Ressortleitung Radio bei der „ag.ma“, mag nicht ausschließen, dass die vermeintlich „hinzugewonnenen“ jüngeren Hörer die Programme vorwiegend über das Internet empfangen. Genaue Nachweise sind nicht möglich, da die Empfangswege – ob Antenne, Kabel, Satellit oder eben Internet – bei den telefonischen Interviews für die Media-Analyse nicht abgefragt werden. Es besteht also dringend Nachholbedarf.

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