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„Klar, dass auch Thomas Gottschalk seine Finger mit im Spiel hatte“

21. Januar 2013 | Die dubiosen Gewinnspiel-Kooperationen bei „Wetten, dass…?“ zeigen, dass die obersten Mainzelmänner in Sachen Schleichwerbung nichts dazu gelernt haben. Kein Wunder, wenn ZDF-Intendant Thomas Bellut sogar nachgewiesene Programmverstöße hartnäckig ignoriert.

Sorry, ich bin ein wenig spät mit meinem Nachklapp zu Maybrit Illners Plauderrunde am vergangenen Donnerstag (17. Januar), weil ich mir die Sendung um „Gebühren, Quoten, Qualität“ erst heute in der ZDF-Mediathek angesehen – und dabei nicht schlecht gestaunt habe.

Es ist schon bemerkenswert, wenn ZDF-Intendant Thomas Bellut, angesprochen auf die Einflussnahme externer Unternehmen auf das Programm, folgendes im Wortlaut antwortet: „Wir kontrollieren unser Bild. Seit 2004 haben wir unsere Praxis geändert. Wir haben eine Clearing-Stelle, die guckt was rausgeht auf den Schirm und da ist nichts in der Zeit aufgefallen, was als Schleichwerbung bezeichnet werden könnte.“

Keine Schleichwerbung im ZDF seit 2004?

Entweder hat der oberste Mainzelmann erhebliche Gedächtnislücken – oder er belügt seine Zuschauer genauso frech wie das Andrea Kiewel am 23. Januar 2007 bei Johannes B. Kerner in dessen Talkshow tat. Es ist kaum vorstellbar, dass Bellut den Schleichwerbeskandal um die „Fernsehgarten“-Moderatorin verdrängt hat. Schließlich war er seinerzeit ZDF-Programmdirektor und feuerte die „beliebte Moderatorin“ im Dezember 2007, nachdem sie bereits im Januar desselben Jahres als Gast einer Plauderrunde bei „Kerner“ hemmungslos Schleichwerbung für den Abspeckkonzern „Weight Watchers“ betrieben – und das auf Nachfrage auch noch dreist bestritten hatte. Ein gutes Jahr später, im Januar 2009, heuerte Bellut die Moderatorin wieder an.

Bellut und die Gummibärchen

Auch Belluts Aussagen zu den „Gummibärchen“, die Gottschalk seinen Gästen in „Wetten, dass…?“ über Jahre angeboten hatte, sind zweifelhaft. Bei Maybrit Illner behauptete der oberste Mainzelmann am vergangenen Donnerstag: „Die Gummibärchen waren dann ja auch schnell weg, weil man allgemein der Meinung war, das war einfach zu viel, ja. Deswegen waren die weg, zumal er auch Werbung gemacht hat, für die Firma, wäre das eine Art Placement gewesen. Das geht nicht. Ganz klar.“

Im Interview mit „Bild am Sonntag“, Ausgabe vom 20. Januar, präzisierte Bellut diese Aussage noch einmal: „Wir haben 2004 sehr strenge Regeln für Kooperationen mit Dritten eingeführt. Danach verschwanden etwa die berühmten Gummibärchen vom Sofatisch: Der Mann machte Werbung für Haribo. Wenn bei „Wetten, dass . . ?“ Gummibärchen auf dem Tisch stehen, sieht das wie Product-Placement aus. Das hat Thomas Gottschalk nicht sonderlich gut gefallen, auch Haribo nicht.“

ZDF-Ausflug nach „Haribo Island“

Mag sein, dass seinerzeit die Gummibärchen bei „Wetten, dass…?“ verschwanden. Dafür tauchte „Haribo“ an anderer Stelle im ZDF-Programm wieder auf. Nicht nur in den Werbeblöcken, sondern beispielsweise auch in einem Beitrag, der am 8. Oktober 2005 in der Magazinsendung „Hallo Deutschland“ ausgestrahlt wurde. In dem vier Minuten langen Stück ist der damalige ZDF- Superstar Thomas Gottschalk zu sehen, wie er als zünftiger Naturbursche verkleidet, dem Gewinner einer Internetaktion des Gummibärchen-Produzenten „Haribo“ dessen Preis vorstellte: Eine abgelegene Insel vor der Ostküste Kanadas. Damit auch jeder Zuschauer mitbekam, wem der glückliche Gewinner seinen Preis zu verdanken hat, wurde gleich noch ein Auszug aus einem  „Haribo“-Werbespot für die Aktion eingeklinkt.

Was geradezu wie ein Paradebeispiel für Schleichwerbung erscheint, sah man beim ZDF dagegen „rein journalistisch“: „Die Originalität des Themas – die Verlosung einer Insel – und das Treffen von Thomas Gottschalk mit dem Gewinner waren für ein Boulevardmagazin wie ‚Hallo Deutschland’ ein berichtenswertes Thema“, teilte mir ZDF-Sprecher Alexander Stock damals mit. Für die Verwendung von Auszügen aus einem „Haribo“-Werbespot in dem angeblich „journalistischen“ Beitrag lieferte der Mainzelmann eine gar abenteuerliche Begründung: „Das hat mit Schleichwerbung nichts zu tun. Auch über andere Werbekampagnen – denken Sie an Benetton – wurde und wird in den Medien berichtet. Das Zitieren von Ausschnitten aus den entsprechenden Werbefilmen ist, soweit journalistisch motiviert, legitim.“ Bei der Berichterstattung über die “Benetton”-Werbung ging es seinerzeit jedoch nicht um Gewinnspiele, sondern um die provokativen Inhalte von Spots und Anzeigen des Bekleidungsherstellers. Zwischen 2001 und 2003 hatte sich sogar der Bundesgerichtshof mehrfach mit Benettons Anzeigenmotiv “H.I.V. POSITIVE” beschäftigt.

Zutreffender war da wohl die Äußerung von “Hallo Deutschland”-Moderatorin Yvonne Ransbach als sie den Beitrag so ankündigte: „Klar, dass auch Thomas Gottschalk seine Finger mit im Spiel hatte.“ Möglicherweise nicht nur beim damaligen ZDF-Ausflug nach „Haribo-Island“.

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