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Kaum zu glauben: „Antenne MV“…

…hatte einst 50 Mitarbeiter und gehörte zu Deutschlands erfolgreichsten Radiosendern

21. Juli 2010 | „Unmöglich!“, stand unter diesem Bild, das im Juni 1998 in der „Antenne MV“-Hörerzeitung veröffentlicht wurde. Weiter hieß es in der damals von mir* verfassten Bildunterschrift: „Jeder Versuch, alle 50 Mitglieder der Antenne MV-Mannschaft auf ein Bild zu kriegen, ist bislang kläglich gescheitert. Schließlich muss weiter gesendet, vor Ort recherchiert, das Service-Telefon betreut und auch Urlaub gemacht werden.“ Immerhin – 38 Moderatoren, Redakteure, Korrespondenten, Techniker, Werbezeitenverkäufer, Assistentinnen und Sekretärinnen konnten damals für die Aufnahme, die aus Anlass des fünften Sendergeburtstags entstand, vor dem Funkhaus Plate in der Nähe von Schwerin doch noch versammelt werden.

Gründe zum Feiern gab’s damals allemal: Mit einem Marktanteil von über 30 Prozent gehörte „Antenne MV“ zu Deutschlands erfolgreichsten Radioprogrammen. Die Werbeeinnahmen sprudelten, der Sender warf deswegen satte Gewinne ab – einige Kleingesellschafter bestritten gar ihren durchaus komfortablen Lebensunterhalt aus den Gewinnausschüttungen. Die auf dem Gruppenbild versammelten Mitarbeiter waren vorwiegend Angestellte, die Weihnachtsgeld und bei guten MA-Ergebnissen großzügige Sonderzahlungen erhielten. Das war einmal.

Wer heute, gut zwölf Jahre später und nach

  • mehrfachen Änderungen des Sendernamens von „Antenne MV“ über „Antenne Mecklenburg-Vorpommern“ und „Hit Radio Antenne Mecklenburg-Vorpommern“ zurück zu „Antenne MV“;
  • wiederholten Umformatierungen, einhergehend mit der weitgehenden Abschaffung regionaler Berichterstattung, Schließung der drei Außenstudios und Entlassung der ehemals acht Regional-Korrespondenten;
  • kontinuierlichem Abbau der journalistischen Kompetenz bei gleichzeitiger Zunahme von Gewinnspielen, dubiosen Aktionen wie dem „Blasen-Test“ und belanglosen Plappereien von Moderatoren;
  • beachtlichen Zuwendungen an Radioberater, die nicht immer der deutschen Sprache so richtig mächtig waren und dabei den Mecklenburg-Vorpommern in etwa so nahe standen, wie BP-Aktionäre den Krabbenfischern am Golf von Mexiko;
  • fortgesetzter Streichung von Arbeitsplätzen: Jetzt soll „Antenne MV“ wegen weiter gesunkener Hörerzahlen in der vor einer Woche veröffentlichten „MA 2010 Radio II“ sogar die Nachrichtenredakteure sowie Mitarbeiter aus den Bereichen Promotion, Sport und Musik entlassen haben, berichtet die Radioszene

…wer heute also tatsächlich auf die Idee käme, ein Gruppenbild von den letzten verbliebenen „Antenne MV“-Mitarbeitern zu machen, könnte das Weitwinkel-Objektiv getrost stecken lassen. Auf der Website des Senders werden aktuell gerade noch neun „Moderatoren“ vorgestellt, darunter gleich zwei Experten in Sachen Hansa Rostock. Der ehemalige Bundesligist spielt inzwischen in der 3. Liga – genau wie „Antenne MV“. Auch ein weiterer Abstieg dürfte wohl nicht mehr auszuschließen sein.

Hinweis: Der Autor des Beitrags war vom Sendestart im Mai 1993 bis zum Herbst 1998 Geschäftsführer und Programmdirektor von „Antenne MV“.