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Jeder Fünfzehntausendste – oder so

Nach dem schweren Pisten-Unfall von Th?ringens Ministerpräsident Dieter Althaus mit tödlichem Ausgang für die 41jährige Unfallbeteiligte, gibt’s inzwischen schon wieder Entwarnung. Skifahren sei überhaupt nicht gefährlich, schlussfolgern vermeintliche Experten aus merkwürdigen Statistiken.

Selfie des Autoren nach Pisten-Crash im Februar 2008

6. Januar 2009. Als ich in den vergangenen Faschingsferien regungslos am Steilhang lag, hatte ich einfach nur Pech – statistisch gesehen. Ich muss wohl der 15.000ste Abfahrer gewesen sein, sonst hätte mich der Pistenraser ganz bestimmt nicht umgefahren. Später, als ich im Krankenhaus der südtirolerischen Kleinstadt Bruneck aus der Ohmacht erwachte, lagen um mich herum in der Notaufnahme noch etwa 30 bis 4? weitere Jubiläumsabfahrer. Wir lächelten uns an und versicherten uns gegenseitig, dass Skifahren eigentlich gar nicht so gefährlich ist, wie wir vorher gedacht hatten.

Das meint übrigens auch die gemeinsame Nachrichtenredaktion von N24 und Sat.1. In einem „Hintergrund“ zum schlimmen Unfall von Thüringens Regierungschef Dieter Althaus – mit tödlichem Ausgang für die 41jährige Unfallbeteiligte – heißt es zum Schluss schon fast tröstlich: „…dennoch, Ski- und Snowboardfahren ist nicht ganz so gefährlich, wie viele glauben. Laut einer Studie aus Österreich kam im letzten Winter nur ein gemeldeter Unfall auf 15.000 heil überstandene Abfahrten.“ Und die „Jubiläumsabfahrer“ fallen alle gleich in Ohnmacht – so wie ich, haben schwere Gehirnerschütterungen und mehrere Knochenbrüche?

Nein, natürlich nicht. Die knallharten N24-Rechercheure haben ihre Erkenntnisse nach eigenen Angaben aus einer „österreichischen Studie“ und Südtirol gehört schließlich zu Italien. Da geht’s wohl wilder zu, auch auf den Pisten. Wäre ich damals bloß im österreichischen Teil Tirols „gecarvt“. Da ist nämlich „die Zahl der Unfälle auf Skipisten in den letzten zehn Jahren um ein Fünftel gesunken„, heß?t es in einer Studie des Instituts für Sportwissenschaften Innsbruck aus der Wintersaison 2007/8.

An den Zahlen lässt sich wohl kaum herummäkeln, schließlich war der österreichische Ski-Verband Auftraggeber. Nur wären die Wissenschaftler wohl doch gut beraten gewesen, ihrem Kollegen Michael Blauth auch ein Exemplar ihrer Studie zu überlassen. Der Leiter der Unfallchirurgie an der Universitätsklinik Innsbruck behauptete nämlich in der gestrigen ORF-Nachrichtensendung „ZIB 2“, dass die Unfallzahlen auf den Pisten gestiegen seien. Das hört sich wiederum gut an – nicht unbedingt für Skifahrer, sondern für das österreichische Gemeinwesen. Schon vor vier Jahren hatte der ORF festgestellt: „Skiunfälle leisten aus gesamtwirtschaftlicher Sicht für Österreich einen positiven Beitrag von 14,9 bis 43,3 Mio. Euro.“

Wer also statistisch gesehen Pech hat und als Fünfzehntausendster im Spital landet, tut zumindest Gutes für die Bewohner der Alpenrepublik. Kein Wunder, dass die uns inzwischen sogar im Radio als „Lieblingsnachbarn“ umgarnen.

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