Medien

Instant Articles – oder die Vorstufe zur Kapitulation der Medien vor Facebook und Co.

15. Mai 2015 | Seit dieser Woche veröffentlichen international renommierte Medien wie The New York Times, BBC und Spiegel Online “ausgewählte Inhalte” direkt bei Facebook. Einige Anmerkungen zu steigenden Abhängigkeiten der Content-Lieferanten von den Internetgiganten.

The New York Times tut es, die BBC und BuzzFeed wohl auch. Von den deutschen Onlinegrößen nehmen Bild.de und Spiegel Online seit dieser Woche an einem vermeintlichen Experiment teil, das als „Instant Articles“ bezeichnet wird. Dabei sollen „ausgewählte Artikel“ direkt auf den Facebook Fanpages der Medienanbieter veröffentlicht werden – und nicht wie bislang lediglich Teaser mit denen Facebook-Nutzer auf die eigenen Portale der Content-Lieferanten gelockt werden sollen. Diese neue Funktion ist zurzeit allerdings nur in der iPhone-App von Facebook verfügbar. „Im Gegenzug dürfen die Verlage die Werbung im Umfeld der Artikel selber verkaufen“, berichtet Meedia.de. Das ist doch eine tolle Idee für die in Sachen Onlinevermarktung immer noch rat- und hilflosen Medienanbieter in New York, London oder Berlin. Zumindest versucht  Facebook in einem Video potenziellen Partnern Mut zu machen.

Von wegen. Für den Medienjournalisten Richard Gutjahr ist diese Kooperation der New York Times ein Faustscher Pakt mit Facebook. Den kritischen Blogger treibt vor allem die Frage um “Was, wenn Mark Zuckerberg die Konditionen für die Medienhäuser eines Tages verschlechtert?” Tatsächlich laufen große und renommierte Medienunternehmen Gefahr, sich Zug um Zug in eine Abhängigkeit von Facebook zu begeben, aus denen sie sich eines Tages möglicherweise nicht mehr lösen können. Das Prozedere erinnert fatal an die Hilflosigkeit der Musikbranche um die Jahrtausendwende, als der damalige Apple-Chef Steve Jobs mit iTunes altgedienten “Plattenbossen” vormachte, wie Musik zeitgemäß und erfolgreich vermarktet werden kann.

Wohl nichts daraus gelernt. Dass sich New York Times, BBC oder Spiegel Online auf dieses “Experiment” mit Facebook einlassen (müssen), ist nichts anderes als eine Vorstufe zur Kapitulation der klassischen Medienanbieter vor Facebook und Co. Die meisten Content-Lieferanten haben es nicht geschafft, ihre Produkte im Netz so zu vermarkten, dass Kostendeckung – geschweige denn Überschüsse – erzielt werden. Bisherige Bezahlmodelle für die Nutzung einzelner Beiträge oder den Zutritt zu ganzen Webportalen erwiesen sich als vielfach erfolgslos. Erst in dieser Woche hat The New York Times die Paywall für ihre Nachrichten-App “NYT Now” eingerissen. Statt für monatlich 8 US-Dollar stehen die Inhalte den Nutzern jetzt kostenfrei zur Verfügung. Infografik: Google und Facebook dominieren mobile Werbung | Statista

Auch bei der Vermarktung von Onlinewerbung bekommen klassische Medienanbieter höchstens Krümel vom großen Kuchen ab – ganz im Gegensatz zu Google und Facebook. Bei der Werbung für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets kommen die beiden Internetgiganten zusammen auf einen Anteil von über 70 Prozent aller weltweit erzielten Umsätze. Wenn’s so weiterläuft – und davon ist in den nächsten Jahren wohl auszugehen – wird herkömmlichen Medienhäusern eines Tages nicht anderes übrig bleiben, als die “Weiße Flagge” zu hissen. Von Google und Facebook werden sie auf Dauer wohl keine Almosen erwarten können.