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Ina Tenz auf dem Radiogipfel

16. September 2016 | Das ist doch mal eine gute Personalentscheidung: Die Gesellschafter von Antenne Bayern haben Ina Tenz zur neuen Programmdirektorin des meist gehörten deutschen Radiosenders ernannt. Damit verlässt sie nach insgesamt 17 Jahren in unterschiedlichen Funktionen radio ffn in Hannover. Seit  2004 leitet Ina das Programm des niedersächsischen Privatsenders. Ein paar anerkennende Sätze zu ihrem Aufstieg auf den Radiogipfel.

Kennengelernt habe ich Ina Tenz 1996 bei der internationalen Radiomesse NAB in Los Angeles. Während wir uns bei einem Lunch-Concert mit Dolly Parton als Stargast in einer unterkühlten Messehalle langweilten, vertraute mir R.SH-Programmdirektor Hans Scherer an, dass er Ina gern für den schleswig-holsteinischen Marktführer verpflichten würde: „Die ist verdammt gut, aber für uns viel zu teuer“. Die seinerzeit schon begehrte Radiofrau arbeitete damals als Leiterin der On Air-Promotion für RTL in Luxemburg. Ab 1997 war sie dann in gleicher Position für radio ffn in Niedersachsen tätig.

Zwischendurch war Ina Tenz zwei Jahre lang Programmleiterin des Münchner Lokalsenders Energy 93,3 – das hätte sie sich besser „schenken“ sollen, wie sie mir damals bei ihrer Abschiedsfeier in der bayerischen Landeshauptstadt anvertraute. Ihren Aufstieg auf den Radiogipfel setzte sie dann ab 2002 erneut bei radio ffn fort, zunächst als stellvertretende Programmdirektorin. 2004 wurde sie dann Chefin des Privatsenders mit den meisten Zuhörern in ganz Norddeutschland. Den privaten Konkurrenten Antenne Niedersachsen konnte Ina immer in Schach halten, an den beiden marktführenden öffentlichen-rechtlichen Programmen NDR Radio Niedersachsen und NDR 2 jedoch kaum „kratzen“.

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Ina Tenz mit Hamburgs 1. Bürgermeister Olaf Scholz und Joachim Knuth, Programmdirektor Hörfunk NDR beim Deutschen Radiopreis 2014 (Bild: NDR/Marco Maas) | Titelbild: Ina Tenz mit Inge Seibel beim „Radiogipfel“ 2014 auf den Medientagen München (Bild: Medientage München)

Im Bayern erklimmt Ina Tenz nun den Radiogipfel. Antenne Bayern ist seit Jahren mit großem Abstand unangefochtener Marktführer im Freistaat und dazu auch noch der meist gehörte Radiosender in ganz Deutschland. So eine Situation kann man als Glücksfall – oder als besondere Herausforderung bezeichnen. Ich kenne nicht die Erwartungen der Gesellschafter an die neue Programmdirektorin. Allein den bisherigen Status zu halten, dürfte angesichts der Rahmenbedingungen für Privatradios alles andere als einfach sein: Da ist die Konkurrenz aus dem Netz, allen voran von Streamingdiensten wie Spotify. Die Nettoerlöse aus der Werbung sinken scheinbar ins Bodenlose und das für die Radiobranche unheilvolle Bestreben, UKW als wichtigsten Verbreitungsweg abzuschalten und durch DAB+ zu ersetzen, werden nicht nur den Radiomachern in Ismaning bei München das Berufsleben vermutlich nicht leichter machen.

Wer aber, wenn nicht Ina Tenz, könnte solche Herausforderungen bewältigen?  Und wenn sie’s schließlich schafft, ist Antenne Bayern womöglich doch noch nicht die höchste Gipfelstufe. Ihre Vorvorgängerin Valerie Weber brachte es immerhin zur Hörfunkdirektorin des Westdeutschen Rundfunks. Viel Glück für die neuen Aufgaben in Bayern, Ina.

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