Medien

„Ich verlange von Journalisten, dass sie sich quälen“

14. Mai 2010 | Trauer um Walther von La Roche, der am vergangenen Sonntag im Alter von 74 Jahren gestorben ist.

Mit seiner Buchreihe „Einführung in den praktischen Journalismus“ hat Walther von La Roche inzwischen schon ganzen Generationen wertvolle Hilfestellungen für den Einstieg in einen Beruf gegeben, den er selbst immer als Herausforderung und Verpflichtung verstand. „Ich verlange von Journalisten, dass sie sich quälen, um gute Geschichten zu machen“, sagte mir der „Grand Senior“ des deutschen Journalismus im Sommer 2003. Damals traf ich mich mit ihm in München, weil ich von ihm ein Gutachten für meine Bewerbung als „Professor für Redaktionspraxis“ an der Hochschule Mittweida haben wollte. Ein solches Gutachten gleiche einem „Ritterschlag“ hatte mir ein Bekannter zuvor gesagt – La Roche würde damit allerdings nicht leichtfertig umgehen.

Tatsächlich „quälte“ mich der damals schon gesundheitlich angeschlagene Honorarprofessor für Rundfunkjournalistik an der Universität Leipzig mehrere Stunden lang mit Fragen, die vor allem darauf abzielten herauszufinden, warum ich denn „Professor im provinziellen Osten“ werden – und dafür meinen vermeintlich lukrativen „Job“ im Management des Bauer Verlags aufgeben wollte. Schließlich sagte mir Walther von La Roche zu, das gewünschte Gutachten für meine Professoren-Bewerbung auszustellen. Sein Gutachten, das einige Tage später bei der Berufungskommission eintraf, war wohl mit ausschlaggebend dafür, dass ich heute an der Hochschule Mittweida unter anderem auch künftige Journalisten unterrichten darf.

Dafür danke ich Walther von La Roche von ganzem Herzen – und werde ihn stets in besonders anerkennender Erinnerung behalten. Nach Hermann Stümpert und Rainer Cabanis ist der ehemalige Nachrichtenchef des Bayerischen Rundfunks innerhalb von wenigen Jahren nun schon der dritte große Radiomacher, der uns verlassen hat.

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