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„Ich muss mich noch mal ganz herzlich bei der Bahn bedanken“

Die Deutsche Bahn lässt im Radio Schleichwerbung ausstrahlen – und täuscht dazu auch noch die Öffentlichkeit.

18. Juni 2009 | John Ment hat offensichtlich seine Liebe für das Bahnfahren entdeckt. Am Donnerstag, kurz vor halb zehn, berichtete der langjährige Moderator von Radio Hamburg in seiner Frühsendung von einer Fahrt mit dem Autozug nach Bozen am Wochenende zuvor. Über den tollen Service geriet der Radiomann regelrecht ins Schwärmen: „Ich muss mich noch mal ganz herzlich bei der Bahn bedanken.“

Der verbale Einsatz des prominenten Moderators kam wohl nicht von ungefähr – er ist ganz offensichtlich Teil einer Schleichwerbekampagne, die das Staatsunternehmen gemeinsam mit dem Radio-Werbezeitenvermarkter „RMS“ aus Anlass der Wiedereröffnung der „schnellen Verbindung“ zwischen der Hanse- und der Hauptstadt bei „Radio Hamburg“ und dem Berliner Sender „94,3 rs2“ lanciert hat.

Das Vorgehen erinnert fatal an die vor wenigen Wochen öffentlich gewordene „verdeckte PR“ aus früheren Bahntagen. Vor zwei Jahren hatte die Deutsche Bahn zur „Imagepolitur unter Ex Chef Mehdorn“ (NDR/Zapp) unter anderem die TV-Moderatorin Barbara Eligmann und deren früheren RTL-Kollegen Hans Meiser für sich eingespannt. Als hätte es die Aufregung um diese „Schweinerei“ (PR-Berater Klaus Kocks in „Zapp“) nicht gegeben, macht der ohnehin krisengeschüttelte Staatskonzern weiter wie ehedem und ist sich auch keiner Schuld bewusst.

Nachdem blogmedien und Radioszene am Montag dieser Woche erstmals über die von Radio Marketing Service (RMS) angekündigte „Radiopromotion“ berichtet hatten, behauptete die Konzernpressestelle der Bahn in einer Erklärung am Dienstag allen Ernstes: „Bei allen Spots, die jeweils im Werbeblock ausgestrahlt wurden, waren als Absender die Deutsche Bahn und der jeweilige Sender klar erkennbar.“

Werbebotschaften werden mitkommuniziert

Doch das ist eine Täuschung der Öffentlichkeit – wie nicht zuletzt die „Lobeshymne“ von Radio Hamburg-Mann John Ment auf die Bahn zeigt. Die Moderation fand keinesfalls im Werbeblock statt und war auch nicht als „Werbung“ akustisch gekennzeichnet. Warum auch? Der Werbezeitenvermarkter RMS hatte schon am vergangenen Freitag angekündigt, dass die Aktion mit der Bahn in das Programm der Sender integriert würde: „Darüber hinaus führen die bekannten Moderatoren während ihrer Shows durch das Gewinnspiel und sprechen mit den Gewinnanwärtern. Auch Werbebotschaften zu Angeboten der Deutschen Bahn werden mitkommuniziert.“

Selbst RMS-Geschäftsführer Andreas Fuhlisch sprach im Zusammenhang mit dieser Kampagne nicht von „Werbung“, sondern von „Information“: „Parallel stützt die Prüsentation durch den bekannten Radiomoderator die Glaubwürdigkeit der Information enorm.“ Und so etwas ist „Schleichwerbung in Reinform“. Das ist nicht nur die Einschätzung des DJV-Vorsitzenden Michael Konken, der sich schon am Montag per Pressemitteilung zu Wort meldete, sondern auch ein glatter Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag.

Für die Konzernpressestelle der Bahn ist das kein Problem, schließlich seien „Sonderwerbeformen seit Jahren bei privaten Radiosendern in Deutschland gängig und wurden bislang von den Landesmedienanstalten nicht beanstandet.“ Gegen ordnungsgemäß durchgeführte „Sonderwerbeformen“, die für die Hörer klar erkennbar – und vom redaktionellen Programm deutlich getrennt sind, ist in der Tat nichts einzuwenden. Doch das ist hier ganz bestimmt nicht der Fall.

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