Medien

Fiat will kein deutsches Werk schließen – oder doch?

Anmerkungen zum Informationschaos in Sachen Opel-Übernahme. Ausschnitt aus Bild am 5. Mai 2009, Seite 2

5. Mai 2009. Entweder hat Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg nicht richtig zugehört, was ihm am Montag Sergio Marchionne in Sachen Opel-Übernahme so alles versprochen hat – oder der mächtige Fiat-Chef hat es tatsächlich gewagt, das Zentralorgan der Deutschen zu beschwindeln. Jedenfalls meldet „Bild“ heute: „Fiat will kein deutsches Opel-Werk schließen“ und kann zum Beleg ein Exklusiv-Interview mit Marchionne anführen, das in der heutigen gedruckten Ausgabe sowie vom Online-Ableger „Bild.de“ veröffentlicht wurde. Sergio Marchionne ist inzwischen wieder abgereist und hat ein ziemliches Informationschaos in den deutschen Medien hinterlassen.

Die Version von Wirtschaftsminister zu Guttenberg, die er unter anderem gestern Abend in einem Interview mit den „Tagesthemen“ verbreitete, hört sich dagegen deutlich anders an. Ihm gegenüber habe der Fiat-Chef zugesichert, dass die drei Endmontagewerke (Rüsselsheim, Bochum und Eisenach) erhalten blieben. Das „Schicksal“ des Motorenwerks in Kaiserslautern scheine ihm allerdings noch offen zu sein. Für die „Süddeutsche Zeitung“ stand damit fest: „Fiat will nur drei Opel-Standorte erhalten“. Die „Freie Presse“ (Chemnitz) schlussfolgerte sogar in ihrer Dienstagsausgabe: „Fiat droht mit Werksschließung bei Opel“. Und auch Springers „Die Welt“ wusste: „Italiener wollen drei von vier deutschen Werken erhalten.“

Egal, welche Zweifel der Bundeswirtschaftsminister auch haben mag, inzwischen gilt die „Bild“-Version als ausgemacht: „Fiat sagt Erhalt aller Opel-Werke zu“, meldete am Dienstagmorgen „MDR-Info“. Auch der „Deutschlandfunk“, „B5-aktuell“, „Tagesschau.de“, „Spiegel Online“ und viele andere verbreiteten die vermeintlich frohe Kunde und beriefen sich dabei allein auf das Interview aus der „Bild-Zeitung“. Der eigentlich für die Leserwerbung bestimmte Slogan „Bild dir deine Meinung“ zeigt offenbar auch bei deutschen Journalisten immer mehr Wirkung. Da sind eigene ergänzende Recherchen wohl überflüssig. Selbst wenn es um die mögliche Opel-Übernahme durch Herrn Marchionne geht.

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