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Head Downer und Selfie Taker am Strand

14. August 2015 | Anmerkungen zur Veränderung des Strandlebens: Statt Schwimmen, Sonnenbaden oder Volleyball, vergraben sich Urlauber heute lieber in ihre Smartphones, um den Rest der Welt via Facebook, Instagram oder Twitter mit ihren Selfies vom Nichtstun zu nerven. Wem dabei die Übersicht verloren geht, startet gleich die eigene Drohne mit „GoPro“ an Bord.

Mitte August am Swimmingpool des Hotels „Sandpearl“ in Clearwater Beach an der Westküste von Florida. Auf der gegenüberliegenden Seite beobachten wir ein älteres Paar, das tief in iPad und Smartphone versunken auf den breiten Sonnenliegen kauert. Stunden später – nachdem wir schon im nahegelegenen Meer gebadet sowie einen ausführlichen Strandspaziergang hinter uns gebracht haben, sehen wir die Beiden in nahezu unveränderter Position schweigend an ihren mobilen Endgeräten ‚rumhantieren. Was haben die wohl früher im Urlaub gemacht? Etwa miteinander geredet oder gar ganz wagemutig die Liegestuhl-Nachbarn angesprochen?

Wir haben allerdings kaum Grund über andere Leute herzuziehen, die das “Head Down Syndrom” erwischt hat und die den Kopf am Strand höchstens noch aufrichten, um Selfies anzufertigen. Auch wir können scheinbar ohne unsere iPhones am Swimmingpool oder an einem wunderbaren Strand wie hier in Clearwater Beach nicht mehr auskommen. Wenn das W-LAN gelegentlich schwächelt, verfinstern sich unsere Mienen, weil der nächste ach so wichtige Facebook-Post erst mit Verzögerung am späten Abend bei Freunden in der Heimat ankommen könnte.

Ältere Leser dieses Blogeintrags mögen sich vielleicht noch an den behutsamen Umgang mit Fotos im Urlaub erinnern, als drei Farbfilme à 18 Aufnahmen für die schönsten Wochen des Jahres reichen mussten. Heute knipst Tochter Julia schon mal die eigenen Füße im Sand, um den Freundinnen daheim zu zeigen, wie weiß und pulverig der Strand am Clearwater Beach ist.

Da ist Jimmy aus Buffalo schon ambitionierter. Er hat sich für 1.100 Dollar bei „Best Buy“ eine Drohne besorgt und diese mit einer „Go Pro“ ausgestattet. Es dauert zwar einige Zeit, bis sich sein unbemanntes Fluggerät unter der Anteilnahme der staunenden Urlauber im Umkreis endlich vom Strand erhebt. Dann steuert der Mittvierziger seine Drohne per Fernbedienung jedoch so souverän über den Strand am Golf von Mexiko, dass er reichlich bewundernde Blicke für diese außergewöhnlichen fliegerischen Leistungen erhält. Wenige Meter weiter versucht ein Animateur vergeblich, Mitspieler für ein Volleyball-Match zu finden.

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