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Glibberige Tiere in „Bild“

In diesem Jahr hat das Zentralorgan der Deutschen „unzählige Quallen in der Ostsee“ gesichtet und damit Ekelanfälle bei einer „Sat.1“-Moderatorin ausgelöst.

Auszug aus „Bild“ vom 3. Juli 2009

3. Juli 2009. „Nach Warnemünde sollten Sie am Wochenende lieber nicht fahren“, riet am Freitagmorgen Sat1.-Moderatorin Karen Heinrichs ihren Zuschauern. Wieder einmal ein Volltreffer für „Bild“. Was im Zentralorgan der Deutschen – möglichst auf der Titelseite – steht, ist Pflichtprogramm für andere, längst nicht nur für die Macher des „Sat.1-Frühstücksfernsehens“. Ob die Geschichten stimmen oder nicht oder ob „Bild“ wieder einmal maßlos übertrieben hat, so wie beim „Quallen-Alarm in der Ostsee!“ auf Seite 1 der Freitagsausgabe, spielt für viele morgendliche Radio- und Fernsehmacher scheinbar überhaupt keine Rolle. Das Springer-Blatt setzt die Themen und gibt auch gleich die Tonalität für die Moderationen vor: „Iiiih da sind Quallen, die sind so glibberig“, ekelte sich Frau Heinrichs vor ihren Zusehern. Wer jetzt noch nach Warnemünde fährt, muss ja fast schon lebensmüde sein.

Nein, ganz so schlimm ist es denn doch nicht, beruhigt das Boulevardblatt seine Leser: „Diese Quallenart ist nicht gefährlich.“ Vermutlich sind die „glibberigen Tiere“ auch nur deswegen auf der Titelseite gelandet, weil irgendwelche Meeresungeheuer seit Jahren regelmäßig immer im Juli in „Bild“ auftauchen müssen. Vor vier Jahren wurde „Hai-Alarm auf Mallorca“ ausgelöst. Ein „Augenzeuge“ hatte „etwas Großes im Wasser gesehen, das Kreise zog und dann untertauchte.“ Per Ferndiagnose erkannten damals die „Meeresbiologen“ in der „Bild“-Redaktion, dass es sich um „Sandtigerhaie“ gehandelt haben muss, die „zwar furchteinflößend aussehen, aber für Menschen ungefährlich sind.“

Im Juli 2007 entschied sich das Blatt dann für „Leuchtquallen“, die die Strände der Baleareninsel heimzusuchen drohten. Anschließend tauchten die „hochgiftigen“ Viecher allerdings für immer in den Tiefen des „Bild“-Redaktionssystems unter.

In Warnemünde hält sich die Panik angesichts der von „Bild“ entdeckten „unzähligen Quallen“ offenbar noch in Grenzen. „Es gab noch keine Hinweise, dass sie das Baden beeinträchtigen“, zitiert die ortsansässige „Ostsee-Zeitung“ in einem am Freitag veröffentlichten Beitrag ein Mitglied der DRK-Wasserwacht. Unbeschwerten Ferien an der Ostsee scheint also kaum etwas im Wege zu stehen. Zudem können Urlauber ziemlich sicher sein, dass ihnen „Sat.1“-Moderatorin Karen Heinrichs nicht am Strand begegnen wird. Noch ein Tipp für die „Meeresbiologen“ bei „Bild“: Vor Mallorca sind inzwischen die Leuchtquallen wieder aufgetaucht…

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