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Geschäftsmodell Missbrauchsopfer

10. März 2010 | Wirtschaftsprofessor Uwe Kamenz will ein „unabhängiges Web 2.0-Portal für Betroffene von sexuellen Übergriffen in Internaten“ installieren und braucht dafür „nur“ 100.000 Euro plus Folgekosten.

Über Uwe Kamenz hatte ich vor drei Jahren bei blogmedien berichtet. Damals veröffentlichte der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Dortmund gemeinsam mit dem Journalisten Martin Wehrle das Buch „Professor Untat – was faul ist hinter den Hochschulkulissen“, das seinerzeit für einige Aufregung, aber auch Anerkennung vor allem bei Professoren und Studenten sorgte. In einer etwaigen Neuauflage seines Buches musste Kamenz wohl auch ein Kapitel in eigener Sache aufnehmen: „Geschäftsmodell Missbrauchsopfer“.

Auf der Internetseite seines „ProfNet Instituts für Internet-Marketing“ hat Kamenz zu Beginn der Woche eine „Projektskizze Internats-Community“ veröffentlicht. Darin beschreibt der Wissenschaftler den „Aufbau einer unabhängigen, geschlossenen Web 2.0-Internet-Community für alle Betroffenen von sexuellen oder sonstigen Übergriffen in deutschen Internaten.“ Innerhalb von zwei Monaten soll das Portal im Netz sein. „Mittelfristig“, so Kamenz weiter, „wird eine kleine Stiftung angestrebt, die die Unabhängigkeit der Community und weiterer Hilfsprojekte nachhaltig sicherstellt.“ Das Ganze ist selbstverständlich nicht zum Nulltarif zu haben. Der Professor rechnet mit „Investitionen“ von 100.000 Euro, „auf zwei Jahre verteilt“, die er am liebsten von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zur Verfügung gestellt bekommen würde.

Kamenz warb deswegen in einem Brief an die Ministerin „als ehemaliger Schüler eines streng katholischen Internats, der persönlich nicht von sexuellen Übergriffen betroffen war“, nachhaltig für sein Projekt einer „unabhängig und neutral betriebenen Internet-Community, in der jeder Betroffene anonym oder offen kommunizieren und Hilfe annehmen kann.“

Nun ja, ganz unter sich sollen die Betroffenen in der Community denn doch wohl nicht sein. Schließlich konnte Kamenz der Ministerin sogar noch einen Nutzwert für die angestrebte Finanzhilfe offerieren: „Ein zusätzlicher positiver Nebeneffekt wäre auch, dass wir in sehr kurzer Zeit das wirkliche Ausmaß der Übergriffe in den 50iger bis 80iger Jahren erfahren würden.“ Auf Dauer finanziert von „Betroffenen und Sponsoren“. Die sollen schließlich nach dem Geschäftsmodell des Professors die Folgekosten von 3.000 Euro/jährlich tragen.