Medien

FTD gern kostenlos genommen

7. Dezember 2012 | Ein wenig fühle ich mich mitverantwortlich dafür, dass heute die „Financial Times Deutschland“ zum letzten Mal erschien.

„Da haben Sie aber Glück gehabt“, sagt die nette ältere Dame an der Kasse der Bahnhofsbuchhandlung am Rosenheimer Bahnhof, während sie den Betrag von 2,20 Euro eintippt. Tatsächlich habe ich das letzte Exemplar der letzten Ausgabe der „Financial Times Deutschland“ erwischt, obwohl es erst kurz nach Sieben Uhr morgens ist. „Da wird sich der Herr (den Namen habe ich nicht verstanden) aber ärgern, weil er seit Jahren fast jeden Morgen diese Zeitung kauft.“ Die Welt erweist sich mal wieder als ungerecht – diesmal zu meinen Gunsten.

Schließlich habe ich zum ersten Mal überhaupt die auf lachsfarbenem Papier gedruckte FTD gekauft – nur aus Neugier, weil ich wissen wollte, wie sich die Redaktion von ihren Lesern verabschiedet. Auf jeden Fall originell – mit fehlenden Buchstaben im Titel: Aus „FINANCIAL TIMES“ wurde „FINAL TIMES“. Dazu die schwarzbedruckte Titelseite mit der Aufschrift „Endlich schwarz“. In den zwölf Jahren und knapp zehn Monaten ihres Bestehens hat das Blatt nur „rote Zahlen geschrieben“. Zumindest hatte das Gruner+Jahr-Management vor zwei Wochen so das endgültige Aus für die Finanz- und Wirtschaftszeitung begründet.

Also bin ich irgendwie mit dafür verantwortlich, dass die „Financial Times Deutschland“ ab sofort nicht mehr erscheinen kann? In Flugzeugen, in Hotels, bei Kongressen, immer dort wo ich ein Gratisexemplar der Zeitung ergattern konnte, habe ich gern zugegriffen. Zudem habe ich zweimal ein kostenloses Probe-Abo in Anspruch genommen, die Unterschrift aber immer dann verweigert, wenn ich schließlich für die FTD zahlen sollte. Warum? Weil die Zeitung für mich ein „Nice to have“ war. Die Artikel, insbesondere zu Medienthemen, empfand ich stets als fundiert und habe sie gern gelesen. Aber –  ich habe die „Financial Times Deutschland“ nie als unverzichtbare Informationsquelle angesehen für die ich täglich – oder auch nur gelegentlich – über zwei Euro ausgeben wollte. Vermutlich ging das vielen anderen ebenfalls so, wie die mageren Zahlen der „harten Verkäufe“ zeigen. Zuletzt wurden mehr Exemplare verschenkt als verkauft.

Dass es mir – und offensichtlich auch anderen – jetzt sehr leid tut, dass mit der „Financial Times Deutschland“ eine Qualitätszeitung eingestellt wird, hilft den über 300 betroffenen Mitarbeitern überhaupt nicht weiter.

„Nachrufe“ in eigener Sache gibt’s auf der (noch bestehenden) Website der „Financial Times Deutschland“. Besonders lesenswert ist dort der Beitrag „An der Leine der PR“. Autor Klaus Max Smolka ist überzeugt, dass PR in Deutschland das Vertrauen in Unternehmen und Organisationen zerstört.