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Es kann einem nur schlecht werden

In 25 Jahren hat es RTL geschafft, Teil des deutschen Fernsehens zum Trash-TV verkommen zu lassen. Ein paar Anmerkungen zu 25 Jahren RTL.

11. Januar 2009. „Es war nicht alles schlecht“ schrieb Der Spiegel am vergangenen Montag über „25 denkwürdige Jahre“ des Privatfernsehens in Deutschland. Wer allerdings am Samstagabend Lorielle London im RTL-Dschungelcamp den „Penis Colada“ – in Großaufnahme – runterwürgen sah, dem konnte einfach nur schlecht werden. In einem Vierteljahrhundert hat es RTL federführend geschafft, Teile des deutschen Fernsehen zum Trash-TV verkommen zu lassen.

Penis Colada im Dschungelcamp | Screenshot RTL

Was genau soll ‚Trash-TV‘ eigentlich bedeuten?“, fragte DWDL-Chef Thomas Lückerath vor einigen Tagen in einem merkwürdigen Kommentar zum erneuten Start der Serie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“. Die Antwort ist einfach: vieles von dem, was RTL seit 25 Jahren seinen Zuschauern vorsetzt, allen voran die Pöbeleien des Dieter Bohlen und nicht zuletzt die Sauereien im sogenannten Dschungelcamp.

Nachzusehen war der Trash gleich geballt im ersten Teil der Jubiläumsshow am Samstagabend mit dem Weltrekordversuch im „einhändigen BH-öffnen“ als RTL-typischen Höhepunkt. Dagegen erscheinen die Anfänge vor 25 Jahren – zumindest aus heutiger Sicht – geradezu sympathisch. Als der Ableger des ehemals erfolgreichen Radioprogramms als „RTL-Plus“ in Luxemburg startete, versuchten sich zunächst gestandene und populäre Radiomoderatoren vor der Kamera.

Damals stotterte sich Hans Meiser allabendlich durch die Nachrichtensendung „7 vor 7“ – weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil nur rund 200.000 deutsche Haushalte das Programm aus dem Großherzogtum empfangen konnten. Schlimmer wurde es erst, als RTL-Plus in immer mehr Kabelnetze eingespeist wurde und auch über Satellit zu empfangen war. Senderchef Helmut Thoma gab nach eigenen Worten den deutschen Zuschauern das, was sie bis dahin von den öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht bekommen hatten: „Liebesgrüße aus der Lederhose“, „Tutti Frutti“ und Erika Bergers fürsorgliche Hilfe in allen Liebeslagen. Kritikern seines Programmkonzepts gab Thoma zu verstehen, dass der Köder dem Fisch und nicht dem Angler schmecken müsse.

Trotz Umzugs nach Köln, Umbenennung in „RTL“, jahrelanger Marktführerschaft in den 90ern, gigantischen Gewinnen aus der Werbezeitenvermarktung und mehreren Chefs an der Spitze des Unternehmens, hat sich an dem Konzept bis heute kaum etwas verändert. Warum auch? Bohlen, Dschungelcamp und heiratswillige Bauern sorgen für beste Quoten. Vor allem weist RTL im Gegensatz zur Konkurrenz noch immer satte Gewinne aus. Und darum geht es schließlich.

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