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Radiopreis: „Ein neues, glanzvolles Medienevent…“

5. Februar 2010 | ARD und Privatsender wollen am 17. September „im Rahmen einer festlichen Gala“ erstmals gemeinsam den „Deutschen Radiopreis“ verleihen. Die Radiowirklichkeit ist vielfach allerdings wenig glamourös.

Vor einigen Tagen hatte ich zufällig bei einer kleinen privaten Radiostation zu tun. Die ambitionierten Redakteure zeigten mir ihren Arbeitsraum und die angrenzenden Studios – fühlten sich allerdings nicht recht wohl dabei, weil sie sich für den schäbigen Zustand der Räumlichkeiten und die „altertümliche“ technische Ausstattung ihres Senders schämten. Die Computer mögen gut zehn Jahre alt sein. In der Redaktion gibt es überhaupt nur einen PC mit dem das Internet erreicht werden kann. Der Telefonhybrid im Sendestudio ist nicht mehr einsetzbar, weswegen seit Monaten keine Telefoninterviews mehr geführt werden können. Als ich mich nach einer halben Stunde verabschiedete, war ich ziemlich niedergeschlagen – Radio hatte ich irgendwie anders in Erinnerung.

Später im Auto hörte ich eine ganze Zeit der Moderatorin zu, die ich zuvor bei meinem Besuch in der Station kennen gelernt hatte. Freundlich, kompetent und mit reichlich Wortwitz führte sie durch das Programm des kleinen Regionalsenders. Und das für ein Gehalt für das nicht einmal chronisch unterbezahlte Friseurinnen zur Schere greifen würden – doch die bekommen wenigstens gelegentlich noch Trinkgeld, die freundliche Radiofrau nicht. Dabei hätte „meine“ nette Moderatorin nun wirklich mehr verdient, als nur ein unliebsamer Kostenfaktor in den Augen der Gesellschafter ihres Senders zu sein: Zum Beispiel einen Radiopreis für „unterbezahltes Senden unter Extrembedingungen“.

Diese Kategorie steht allerdings nicht zur Auswahl, wenn ARD und private Radiosender am 17. September erstmals gemeinsam den „Deutschen Radiopreis“ in Hamburg verleihen werden. „Deutschland bekommt ein neues, glanzvolles Medienevent“, heißt es zur Ankündigung des Ereignisses in einer Pressemitteilung, die der federführende NDR am Donnerstag verbreitet hat. Immerhin sollen im Rahmen „einer festlichen Gala mit prominenten G?sten, musikalischen Top-Künstlern und bekannten Laudatoren“ die besten Radiomacher in elf Kategorien ausgezeichnet werden, darunter Moderation, Morgensendung oder Comedy.

Bewerben können sich alle deutschen Sender selbst. Vielleicht tun das ja „Radio PSR“, „Radio SAW“ und „Landeswelle Thüringen“ gemeinsam für den Preis in der Kategorie „Beste Höreraktion“. Zur Erinnerung – die drei mitteldeutschen Privatsender hatten im vergangenen Oktober einer Gewinnerin gleich drei mal 10.000 Euro überreicht – und zwei mal wieder „einkassiert“. Vermutlich kommt das der „Interaktionsinitiative“ sehr nahe, die von den Preisträgern in dieser Kategorie erwartet wird.

Gewürdigt werden sollen aber auch journalistische Leistungen wie Reportagen und Interviews, was die Zahl der Anwärter überschaubar machen dürfte, da die meisten deutschen Sender solche aufwendigen Darstellungsformen schon vor Jahren aus ihren Programmen verbannt haben. Damit schließlich doch noch würdige Preisträger gefunden werden, wurde die Betreuung der Jury dem renommierten Adolf-Grimme-Institut anvertraut, das schon seit Jahren Auszeichnungen für Fernsehmacher und deren Produktionen verteilt.

Die Veranstalter wollen bei dem erneuten Versuch, einen Radiopreis zu etablieren, zumindest nicht kleckern, sondern für Hörfunkverhältnisse eher klotzen. Nach einem Bericht der Onlineausgabe des Fachblatts „Werben & Verkaufen“ soll das Event immerhin eine halbe Million Euro kosten. Wer das alles bezahlen wird, steht offenbar noch nicht so ganz fest. Der größte deutsche Werbezeitenvermarkter „Radio Marketing Service“ (RMS) soll seine Mitwirkung zumindest noch nicht bestätigt haben. Die Geschäftsführer einiger angeschlossener Privatsender maulen ohnehin bereits im Hintergrund, weil sie den Sinn des „Deutschen Radiopreises“ – insbesondere im Hinblick auf die damit verbundenen Kosten – angesichts sinkender Werbeeinnahmen nicht so recht erkennen können.

Für die dann im September auszuzeichnenden Radiomacher geht’s ohnehin nur um die Ehre. Der „Deutsche Radiopreis“ ist nur symbolisch zu verstehen und nicht etwa mit einem Geldbetrag verbunden. Das dürfte wiederum ein Trost für „meine“ nette Moderatorin von dem kleinen Regionalsender sein, die vermutlich nicht nach Hamburg eingeladen wird.